| Theo Dingermann |
| 26.03.2026 11:00 Uhr |
Viele Tumore weisen potenziell therapierelevante genomische Veränderung auf. In der Behandlung schlagen sich diese Erkenntnisse bisher oft nicht nieder. / © Adobe Stock/luchschenF
In der Präzisionsonkologie werden die Tumoren von Patienten genau genomisch analysiert, um charakteristische genetische Veränderungen zu entdecken, gegen die man gezielt therapeutisch vorgehen kann. Zwei Studien, eine aus Japan und eine aus den Niederlanden, analysieren Real World Daten zum Einsatz und zum Potenzial dieser genetischen Tumordatenerhebung.
So wertete ein Team um Dr. Yuki Saito vom National Cancer Center Research Institute in Tokyo Daten von 54.185 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren aus, die im nationalen Register C-CAT (Center for Cancer Genomics and Advanced Therapeutics) erfasst worden waren und im Rahmen ihrer regulären Versorgung ein umfassendes genomisches Profiling (CGP) mit einem 324-Gene-Panel erhalten hatten.
Das Register integriert genomische, klinische und therapiebezogene Daten über 81 verschiedene Tumorentitäten und gehört damit zu den größten populationsbasierten Onkologie-Datensätzen weltweit. Die Ergebnisse ihrer Arbeit publizierten die Forschenden im Fachjournal »Nature Medicine«.
Bei 72,7 Prozent aller in dem Register erfassten Tumoren wurde mindestens eine potenziell therapierelevante genomische Veränderung identifiziert. Dennoch erhielten lediglich nur etwa 8 Prozent der Betroffenen eine darauf abgestimmte, biomarkerbasierte Therapie.
Die Forschenden zeigen darüber hinaus, dass die klinische Evidenzklassifikation der CGP-Befunde einen eigenständigen prognostischen Wert besitzt. So wiesen Patienten mit Veränderungen der höchsten Evidenzklasse (Level A, das heißt , dass es für die Mutation von der japanischen Behörde PMDA oder der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zugelassene Therapien gibt) ein signifikant besseres Gesamtüberleben auf als jene mit niedrigklassigen oder evidenzlosen Befunden.
Dieser Überlebensvorteil war unabhängig von der Anzahl vorangegangener Therapiezyklen und über zahlreiche Tumorentitäten hinweg reproduzierbar. Besonders ausgeprägt war der Überlebensvorteil beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) und bei Gallenwegskarzinomen.
Gleichzeitig identifizieren die Forschenden Tumorerkrankungen, bei denen ein CGP besonders vielversprechend ist beziehungsweise kaum einen Zusatznutzen bringt. Während mehr als 20 Prozent der Patienten mit Schilddrüsen- und Lungentumoren eine CGP-geleitete experimentelle Therapie erhielten, lag dieser Anteil bei Pankreas- und Lebertumoren bei unter 2 Prozent.
Ein besonderes Augenmerk legt die Arbeit auf tumoragnostische Biomarker. Für die Tumormutationslast (TMB) konnte gezeigt werden, dass ein Schwellenwert von mindestens 20 Mutationen pro Megabase mit einem besseren Ansprechen auf Pembrolizumab und einem günstigeren Überleben assoziiert ist, und zwar über verschiedene Krebsarten hinweg. Dieser Befund stützt den Einsatz der quantitativen TMB-Messung als komplementären Marker zur Testung der Mikrosatelliteninstabilität (MSI).