Immer mehr Apotheken müssen schließen. / © Imago/Robert Poorten
Der Rückgang der Apothekenzahlen in Thüringen setzt sich mit unverminderter Geschwindigkeit fort. Insgesamt 13 Apotheken sind im Jahr 2025 für die Arzneimittelversorgung der Thüringer Bevölkerung verloren gegangen. So viele wie nie zuvor. Das teilte die Landesapothekerkammer Thüringen mit. Somit ist im Freistaat im 15. Jahr in Folge die Zahl der Apotheken gesunken.
»Besonders dramatisch ist dabei, dass wiederum zwei Thüringer Gemeinden die einzige Apotheke am Ort verloren haben. In Blankenstein an der Saale und in Wandersleben wird es für die Menschen zukünftig deutlich schwieriger, an dringend benötigte Arzneimittel zu kommen«, sagt Danny Neidel, Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Thüringen.
So sind es zu Beginn des Jahres 2026 nur noch 474 Apotheken, die für die Arzneimittelversorgung der Menschen im Freistaat Verantwortung übernehmen. »Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich der Trend stoppen ließe. Für März sind bereits weitere Schließungen angekündigt«, sorgt sich Apotheker Neidel. »Gerade mit Blick auf die geplanten tiefgreifenden Änderungen in der neu aufgewärmten Apothekenreform des Bundesgesundheitsministeriums können wir nichts erkennen, was tatsächlich eine sofort wirksame Hilfe wäre. Im Gegenteil, die Pläne werden dafür sorgen, dass die Versorgung gerade auf dem Land weiter geschwächt wird.«
Die Pläne sehen vor, dass gezielt »im ländlichen Bereich« Apotheken zukünftig auch ohne Apothekerin oder Apotheker offengehalten werden können. »Was als eine gute Idee zur Vermeidung eines Mangels verkauft wird, ist bei Lichte betrachtet eine Bankrotterklärung und die Einführung einer Zweiklassenversorgung«, klagt Danny Neidel. »Wer sagt, auf dem Land braucht es keine Apothekerin, keinen Apotheker, meint damit, auf dem Land brauchen wir keine erstklassige Versorgung.«
Neidel betont, dass Apothekerinnen und Apotheker in einem Pharmaziestudium nach fünf Jahren alles gelernt hätten, was man zu Arzneimitteln wissen muss. »Tabletten sind nicht so etwas wie nach alter Überlieferung gebackene Plätzchen. Sie sind Hochtechnologie, bei denen man eben leicht auch etwas falsch machen kann«, so der Geschäftsführer der Landesapothekerkammer. Zum falschen Zeitpunkt angewendet, wirkten Arzneimittel nicht oder nicht richtig. Das sei nicht gut für die Kranken und die Solidargemeinschaft, die gegebenenfalls die Folgekosten tragen müsse.
»Für mich ist es unbegreiflich, wie unser Staat tatsächlich viel Geld in die Ausbildung von Arzneimittelexpertinnen und -experten steckt und dann nichts dafür tut, dass der Bevölkerung dieses Wissen auch zugutekommt.« Das Kostenargument lässt Neidel nicht gelten: »Manche Arzneimitteltherapie kostet so viel wie ein Kleinwagen. Da ist es doch gerade finanziell betrachtet extrem wichtig, dass es Apothekerinnen und Apotheker gibt, die dafür sorgen, dass die Arzneimittel auch richtig angewendet werden und die Menschen auch wirklich gesund werden.«
Mit dem Honorar von vor fast 15 Jahren sei das nicht möglich. »Es muss uns gelingen, junge Menschen dafür zu begeistern, mit ihrer Arbeit Menschen vor Ort zu helfen. Mit dem Tag der Pharmazie am 25. März werden wir wieder dafür werben, dass auch in Zukunft die Arzneimittelversorgung sicher und erstklassig erfolgen kann. Allerdings müssen die politisch Verantwortlichen auch dafür sorgen, dass die Honorare konkurrenzfähig bleiben. Und zwar jetzt«, fordert Danny Neidel.
Thüringen ist nicht das einzige Bundesland, in dem ein dramatischer Rückgang der Apothekenzahlen zu beobachten ist. Laut einer Abfrage der PZ verlor Bremen im Laufe des Jahres 2025 fünf Apotheken. In Sachsen ging die Gesamtzahl der Offizinen um 13 zurück. Das Saarland verlor sechs Apotheken und Schleswig-Holstein zehn.
In Westfalen-Lippe mussten im vergangenen Jahr sogar 43 Apotheken schließen. Seit 2006 sank hier die Zahl der Offizinen von 2245 auf 1613. »Das ist ein Rückgang von 28 Prozent und ein bitteres Warnzeichen an die Politik: Die Regierung muss die versprochene Stärkung der Vor-Ort-Apotheken möglichst schnell umsetzen. Anderenfalls gefährdet sie die flächendeckende Versorgung«, so Andreas Walter, Hauptgeschäftsführer der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.