| Johanna Hauser |
| 13.08.2026 13:00 Uhr |
Körperliches Training ist laut Leitlinie zur Therapie von Parkinson empfohlen. / © Getty Images/FG Trade
Bei der neurodegenerativen Erkrankung Morbus Parkinson sterben zunehmend dopaminerge Nervenzellen ab, was motorische und nicht motorische Symptome auslöst. Klinischen Studien zufolge können Ausdauer-, Kraft- und multimodale Trainingsprogramme Gangbild, Gleichgewicht, Stimmung, kognitive Funktionen und Lebensqualität bei Patienten verbessern. Besonders effektiv erscheinen progressives Krafttraining sowie multimodale Ansätze, die verschiedene Trainingsformen kombinieren. Andersherum sind eine verminderte Muskelkraft und Gebrechlichkeit mit ungünstigen Krankheitsverläufen assoziiert.
Dies waren die Gründe für Forscher aus Bogotá, Kolumbien, den aktuellen Stand des Wissens zum Zusammenspiel von körperlicher Aktivität, Muskelstatus und Exerkin-Signalwegen bei Parkinson in einer Übersichtsarbeit zusammenzufassen. Dabei scheinen Exerkine – die von aktiven Muskeln ausgeschütteten Botenstoffe – eine bisher unterschätzte neuroprotektive Rolle zu spielen. In dem im Journal »Neuroprotection« veröffentlichten Beitrag beleuchten die Forscher um Erstautor Dr. Salomón Páez-García von der Pontificia Universidad Javeriana die Bedeutung der Skelettmuskulatur.
Diese sei nicht nur für die Bewegung verantwortlich, sondern müsse als endokrines Organ angesehen werden: »Muskeln leisten weit mehr, als nur unseren Körper zu bewegen. Sie können wie ein endokrines Organ wirken und hormonähnliche Botenstoffe produzieren […] – genau wie die Bauchspeicheldrüse Insulin oder die Schilddrüse Schilddrüsenhormone produziert«, erklärt Seniorautor Dr. Miguel Germán Bordabin einer Mitteilung. Diese Botenstoffe seien möglicherweise an einer bidirektionalen Kommunikation zwischen Muskel und Gehirn beteiligt.
Im Rahmen dieser Muskel-Hirn-Kommunikation könnten Exerkine über neuroprotektive, entzündungshemmende und stoffwechselregulierende Signalwege auf das zentrale Nervensystem einwirken. Zu den wichtigsten diskutierten Exerkinen gehören Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF), Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1), Irisin, Cathepsin B, Myostatin und Growth Differentiation Factor 15 (GDF15).
BDNF könnte dabei eine wichtige Bedeutung für das dopaminerge System haben. Er unterstützt das Überleben von Nervenzellen, fördert die synaptische Plastizität und verbessert die Anpassungsfähigkeit neuronaler Netzwerke. Nach Auffassung der Autoren vermittelt er einen Teil der neuroprotektiven Effekte durch körperliche Aktivität.