| Jennifer Evans |
| 08.10.2026 07:00 Uhr |
Eifrige Putzhilfen: Kinder sollten beim Spülen nicht zu nah am Klorand sein. Dort ist die Konzentration von Aerosolen und Bioaerosolen am höchsten. / © Shutterstock/Zhuravlev Andrey
Einmal spülen, alles weg? Weit gefehlt. Aerosole und Bioaerosole aus dem Klowasser verteilen sich nämlich nach dem Toilettengang im ganzen Badezimmer. Und zwar springen die feinen Tröpfchen bis zu 160 Zentimeter in die Höhe und verteilen sich in einem Radius von etwa anderthalb Metern. Das ist nicht nur unhygienisch, sondern auch gesundheitsgefährdend. Zu diesem Schluss kam eine Metaanalyse von insgesamt 22 Studien, die im Fachjournal »Science of The Total Environment« erschienen ist.
Weil die feinen Partikel bis zu 20 Sekunden nach dem Drücken der Spültaste noch in der Luft verweilen können, kann der Mensch sie einatmen. Dabei gilt: Je näher er sich in Richtung Klobrille bewegt, desto höher ist die Konzentration.
Aerosole sind kleinste feste oder flüssige Partikel, die in der Luft schweben und dort über längere Zeiträume bleiben. Ihre Größe bewegt sich meist im Nanometer- bis hin zum Mikrometer-Bereich – von etwa 0,002 bis ≥100 μm. Weil sie so klein sind, können sie beim Einatmen tief in die Atemwege gelangen. Sind die Partikel biologischen Ursprungs und enthalten etwa Mikroorganismen, bezeichnet man sie als Bioaerosole.
Die Mikroben können sowohl im Spülwasser selbst als auch in der Schüssel vorkommen und Harnwegsinfekte oder Durchfall auslösen. Die Übertragung über Aerosole gilt als wesentlich für Krankheiten wie SARS-CoV-2, Legionellen, Influenza und Noroviren. Der Ratschlag, die Zahnbürste möglichst weit entfernt von der Toilette aufzubewahren beziehungsweise gleich im Badezimmerschrank zu lagern, kommt also nicht von ungefähr.
Noch ein Tipp: Wer Wasser spart, schützt nicht nur die Umwelt, sondern auch sich selbst. Wie die Forschenden um die Umweltgesundheitswissenschaftlerin Lira Adiyani von der australischen Flinders University herausfanden, breiten sich die Bakterien oder Viren deutlich besser aus, wenn beim Spülen viel Wasser zum Einsatz kommt. Die Aerosolkonzentration steigt mit jedem zusätzlichen Liter pro Spülvorgang um gut das 1,3-Fache. »Häufiges Spülen kann die Ausbreitung in der Luft und die Wahrscheinlichkeit einer Exposition erhöhen«, schreiben sie in der Studie.
Übrigens kann das Autorenteam über die Auswirkungen von Spüldruck, Deckelposition und Belüftung nichts sagen, zu unklar ist die Datenlage. Dennoch: »Dieser Expositionsweg gewinnt im Zusammenhang mit neu auftretenden Krankheitserregern, sich verändernden Wassersystemen und hoher Belegung von Innenräumen zunehmend an Bedeutung«, heißt es.
Was hilft aber nun im Alltag? Deckel schließen und die Spar-Spül-Taste nutzen, raten die Forschenden. Das Klo und das Badezimmer regelmäßig putzen. Toilettensysteme mit wiederaufbereitetem Wasser möglichst keimfrei halten. Hände nach dem Toilettengang immer gut waschen und das Badezimmer häufiger lüften.
Wer jetzt aber der Toilette die ganze Schuld am Infektionsrisiko im eigenen Zuhause gibt, sollte bedenken: Auch andere Aktivitäten erzeugen Aerosole. Kochen, Putzen und Zigarettenrauchen führen ebenfalls dazu, dass sich die feinen Tröpfchen in Innenräumen anreichern.