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Antibiotika-Resistenzen

Todesfälle nehmen zu

Antibiotika-resistente Keime kosten einer Studie zufolge jährlich etwa 33.000 Europäer das Leben. Zu dieser Schätzung kommt ein internationales Forscherteam anhand einer Datenauswertung im Fachjournal »The Lancet Infectious Diseases«. Am stärksten gefährdet sind Säuglinge unter einem Jahr und Personen über 65 Jahre. Die höchste Sterblichkeit war in Italien und Griechenland zu verzeichnen.
Kerstin Gräfe
06.11.2018
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Die Forscher um Dr. Alessandro Cassini vom Europäischen Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten in Solna, Schweden, beziehen sich auf Daten eines europäischen Netzwerks zur Beobachtung antimikrobieller Resistenzen (EARS-Net), die im Jahr 2015 erhoben wurden. Dabei konzentrierten sich die Wissenschaftler auf acht Bakterienarten, die häufig in Blut oder Spinalflüssigkeit nachgewiesen werden. Berücksichtigt wurden verschiedene Infektionswege, wie Blut, Harn- und Atemwege sowie Infektionen infolge von operativen Eingriffen.

Für das Jahr 2015 machten die Wissenschaftler für die EU und den Europäischen Wirtschaftsraum durchschnittlich  671.689 Infektionen mit antibiotikaresistenten Keimen und 33.110 Todesfälle aus.  Spitzenreiter war Italien mit 201.584 Infektionen und 10.762 Toten. Deutschland belegte mit  54.509 Infektionsfällen und 2363 Todesfällen bereits Platz 4 der insgesamt 31 untersuchten Länder.

Etwa ein Drittel der Erkrankungen mit Antibiotika-resistenten Keimen entstehen den Forschern zufolge in Krankenhäusern und anderen Einrichtungen des Gesundheitssystems. In 39 Prozent der betrachteten Fälle seien die Patienten mit einem Keim infiziert, gegen den auch Reserve-Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Als Hauptverursacher machten die Forscher vier Keime aus: E. coli und K. pneumoniae mit Resistenz gegenüber Cephalosporinen der 3. Generation, Carbapenem-resistenter Pseudomonas aeruginosa und Methicillin-resistente S. aureus.

Um die Situation zu verbessern, seien gemeinsame Anstrengungen nötig. Zudem müssten bestehende Hygienevorschriften, vor allem in Krankenhäusern, eingehalten werden. Schließlich brauche es mehr Forschung, um neue antibiotisch wirkende Substanzen zu entwickeln.

Foto: picture alliance/BSIP

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