Im Gegensatz zur TK kommt der GKV-Spitzenverband in seiner Evaluierung des ALBVVG zu dem Fazit, dass die ergriffenen Maßnahmen offenbar kaum Wirkung zeigen. Das Gesetz habe die Versorgungssicherheit nicht verbessert, gleichzeitig hätten sich die Kosten für die Arzneimittelversorgung erhöht.
Das ALBVVG wird auch von Vertretern der Pharmaindustrie kritisiert. Anders als den Krankenkassen geht den Herstellern das Gesetz aber nicht weit genug. Laut Pro-Generika-Chef Bork Bretthauer hatte das ALBVVG zwar gute Absichten, aber »zu wenig Wumms« und infolgedessen so gut wie keine Wirkung«, sagte er im Mai 2025. Das Gesetz sei zu inkonsequent und habe seine geplante Wirkung daher weitgehend verfehlt.
Der »Lieferklima-Report« der TK benennt fünf Handlungsfelder, um die Liefersicherheit von Medikamenten weiter zu erhöhen. Die TK schlägt unter anderem ein regionales Mehrpartner-Modell vor, um besonders wichtige Arzneimittel zuverlässiger abzusichern. Da Rabattverträge für Kinderarzneimittel derzeit ausgeschlossen sind, fordert die TK, dass Gesetzliche Krankenkassen auch hier entsprechende Vereinbarungen mit Herstellern abschließen dürfen, bei denen die Bevorratung Bestandteil des Vertrags ist.
Generell will die Kasse an der Rabattvertrags-Logik festhalten, da diese eine »planbare, sichere und finanzierbare« Arzneimittelversorgung ermöglichen würden. »Durch Rabattzahlungen der Unternehmen an die Krankenkassen können für die Versichertengemeinschaft bedeutende Einsparungen erzielt werden, die der Beitragsstabilität zugute kommen«, heißt es in dem Kassenbericht. Im rabattfreien Markt hingegen fehle die Planbarkeit und Liefersicherheit durch fehlende verpflichtende Vorratsmengen.
Die Kasse schlägt außerdem die Einführung einer europaweit einheitlichen Packung vor, »damit sich pharmazeutische Unternehmen nicht bereits im frühen Produktionsprozess festlegen müssen, für welches Land sie wie viel Ware zur Verfügung stellen«, heißt es in dem Bericht. So könne das Produkt zentral in der EU gelagert und bei unvorhersehbaren Mehrbedarfen in einem Land flexibel eingesetzt werden. Desweiteren fordert die Kasse die Erhöhung der Datenverfügbarkeit: »Viele Lieferengpässe könnten bereits heute abgemildert oder ganz vermieden werden, wenn allen Beteiligten mehr Daten zur Verfügung stünden.«