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Vektorimpfstoffe
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Thrombose-Mechanismus nach Corona-Impfung entschlüsselt

Die impfstoffinduzierte immunologische Thrombozytopenie und Thrombose (VITT) war ein schwerer Rückschlag im Zusammenhang mit Impfungen zum Schutz vor schweren Covid-19-Verläufen. Hierbei handelt es sich um eine seltene, prothrombotische Komplikation, die nach einer Impfung mit einem adenoviralen Vektor auftreten kann. Jetzt berichten Forschende zu den Ursachen dieser seltenen aber gefährlichen Komplikation.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 16.02.2026  09:00 Uhr

Was fungiert als initiales Antigen?

Die entscheidende Frage nach dem initialen Antigen wurde durch differenzielle Affinitätsreinigung und spezifischer Massenspektrometrie beantwortet. Danach zeigten Antikörper gegen intakte Adenovirus-Partikel oder andere virale Strukturproteine keine klonale Überlappung mit den pathogenen Anti-PF4-Antikörpern. Dagegen enthielten IgG-Fraktionen, die gegen das Core-Protein pVII gerichtet waren, identische Sequenzmotive wie die jeweiligen Anti-PF4-Antikörper desselben Patienten. Diese klonale Identität stellt einen besonders überzeugenden Beleg für eine molekulare Mimikry dar.

Die Forschenden entwickeln schließlich ein zweistufiges immunologisches Modell. Danach induziert zunächst eine primäre Adenovirus-Exposition eine polyklonale Anti-pVII-Antwort bei Trägern des IGLV3-21*02/*03-Allels. Bekommen diese Patienten dann einen Booster entweder durch eine Adenovirus-Vektorimpfung oder durch eine Adenovirus-Infektion expandieren diese Gedächtnis-B-Zellen. In seltenen Fällen entsteht durch eine somatische Hypermutation die K31E-Variante, die nun hochaffin PF4 erkennt.

Die resultierenden PF4-IgG-Immunkomplexe überwinden das elektrostatische Abstoßungspotential zwischen PF4-Molekülen, führen zur Oligomerisierung und aktivieren Thrombozyten über FcγIIa-Rezeptoren (FcγRIIa), was klinisch als Thrombose bei Thrombozytopenie manifest wird.

Zwei seltene Konstellationen müssen zusammentreffen

Die extrem geringe Inzidenz von VITT erklärt sich somit durch die Notwendigkeit zweier seltener Bedingungen:

  • eine spezifische genetische Prädisposition (IGLV3-21*02/*03) und
  • eine hochspezifische somatische Hypermutation an Position 31 in der der leichten Antikörperkette

Aus diesen Erkenntnissen lassen sich auch Hinweise für die Weiterentwicklung adenoviraler Vektorimpfstoffe ableiten. So könnte eine gezielte Modifikation oder Substitution des pVII-Proteins theoretisch das Risiko der Fehlsteuerung reduzieren, ohne die Plattformvorteile, die adenovirale Vektoren zweifellos bieten, zu verlieren.

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