Pharmazeutische Zeitung online
Kontrazeption

Teenager wissen (zu) wenig darüber

Junge Frauen verwenden zur Verhütung fast ausschließlich kombinierte orale Kontrazeptiva. Doch wie die Pille genau wirkt, wissen viele nicht. Und auch die Sorgfalt bei der Einnahme ist schlechter als Gynäkologen vermuten. Unerwartet viele Teenager interessieren sich jedoch für andere kontrazeptive Methoden und die Langzeitverhütung.
Brigitte M. Gensthaler
05.11.2018  09:44 Uhr

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Teilauswertung der deutschen Studie »Thinking About Needs in COntraception« (TANCO), für die mehr als 18.500 Frauen und deren betreuende Gynäkologen online nach der aktuellen Form der Verhütung und der Zufriedenheit damit befragt wurden. In der im Fachjournal »Geburtshilfe und Frauenheilkunde« publizierten Analyse wertete Privatdozentin Dr. Patricia G. Oppelt von der Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen gemeinsam mit Kollegen die Antworten von knapp 2700 Teilnehmerinnen im Alter zwischen 14 und 19 Jahren aus.

Fast alle Jugendlichen, nämlich 97,5 Prozent, gaben an, aktuell zu verhüten. 86 Prozent davon nahmen kombinierte orale Kontrazeptiva ein. Als zweithäufigste alleinige Methode nannten sie das Kondom (4,1 Prozent). Etwa 2 Prozent nutzten einen Vaginalring und nur rund 1 Prozent Langzeitverhütungsmethoden wie Hormon- oder Kupfer-haltige Intrauterinsysteme. Vollständig auf eine Kontrazeption verzichteten nur 2,5 Prozent der Jugendlichen.

Vergessen ist häufig

»Für Teenager ist die Pille zweifellos eine gute Wahl«, erklärt Oppelt. Vorausgesetzt, die jungen Frauen nehmen die Medikation auch zuverlässig, das heißt täglich und zur gleichen Zeit ein. Das scheint ein Problem zu sein: Zwar empfindet nur rund jede Vierte die tägliche Einnahme als lästig, doch fast die Hälfte hatte in den letzten drei Monaten ein- bis zweimal die Pille vergessen und mehr als jeder Zehnten war dies häufiger als dreimal passiert.

Im Vergleich mit der Gesamtkohorte zeigte sich: Einnahmefehler treten in allen Altersgruppen etwa gleich häufig auf. »Das bedeutet, dass die Compliance mit zunehmender Einnahmeroutine nicht besser wird«, folgern die Autoren. Die Frauenärzte überschätzten die Compliance ihrer Patientinnen übrigens mit 66 Prozent Nichtvergessen erheblich.

Langzeitverhütung als Option?

Zudem brachte die Befragung gravierende Wissenslücken zu Tage. Nur wenige Teenager wussten Bescheid, wie Pille und Co genau wirken. Die Frauenärzte schätzten deren Wissen durchwegs als zu gut ein. Auch über Alternativen zur Pille fühlten sich die meisten Teenager schlecht informiert. Sie konnten zwar im Durchschnitt etwas mehr als fünf Verhütungsmethoden benennen, hatten jedoch keine Detailkenntnisse.

Dabei sind die jungen Frauen sehr interessiert an Alternativen zur Pille. Zwei Drittel erklärten, dass Langzeitverhütungsmethoden und der Vaginalring eine Option für sie sein könnten. Dies wiederum unterschätzten die Frauenärzte massiv. Hier sei ein Umdenken erforderlich, schreibt Oppelt. »Der Bedarf an Aufklärung über Alternativen zur Pille ist hoch.« Auch die Bereitschaft, diese Alternativen nach erfolgter Aufklärung anzuwenden, sei deutlich höher als von Gynäkologen vermutet.

Mehr von Avoxa