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Darmkrebs

Statine senken Sterberisiko

Ein krebspräventiver Effekt von Statinen wird schon länger diskutiert. Eine Studie liefert neue Daten, dass die HMG-CoA-Reduktasehemmer das Sterberisiko bei Darmkrebs reduzieren können. Dabei war die Schutzwirkung vor dem Tod durch Darmkrebs sogar höher als vor Schlaganfall und Herzinfarkt.
PZ/Aponet (Zou)
09.01.2020  14:38 Uhr

Statinen werden viele nützliche Eigenschaften zugeschrieben, die über die Senkung des LDL-Cholesterins hinausgehen. So weisen Beobachtungsstudien daraufhin, dass Menschen, die Statine einnehmen, seltener an Prostatakrebs erkranken und nach einer Brust-, Darm-, Nieren- oder Lungenkrebsdiagnose länger leben als Menschen, die keine Statine einnehmen. Eine potenziell präventive Wirkung ließe sich damit erklären, dass der Bedarf an Cholesterin bei proliferativen Erkrankungen wie Krebs erhöht ist.

Ob Statine auch einen Effekt auf eine Krebserkrankung des Darms haben, untersuchte nun das Team um Professor Dr. Chiara Melloni von der Duke University Medicine School in Durham, North Carolina. Die Forscher analysierten die Krankenakten von 29.498 Personen, bei denen von 2001 bis 2011 Darmkrebs diagnostiziert worden war. Nach einem Beobachtungszeitraum von etwa fünf Jahren hatten diejenigen, die zum Zeitpunkt der Krebsdiagnose Statine einnahmen, eine um 31 Prozent geringere Allgemeinsterblichkeit und ein um 38 Prozent reduziertes Risiko an Darmkrebs zu sterben, als diejenigen ohne Statin-Einahme.

Besonders auffällig war, dass Statine in der Studie sogar besser vor dem Tod durch Darmkrebs schützten als vor einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, schreiben die Forscher im Fachjournal »Circulation«.  Die Einnahme eines Statins verringerte das Risiko für einen Herzinfarkt um 9 Prozent und das für einen Schlaganfall um 23 Prozent. 

»Die vorläufigen Ergebnisse bestätigen, dass Statine einen Vorteil für das Gesamtüberleben von Darmkrebspatienten haben können«, folgerte Melloni. Die Forscher wollen nun ihre Daten dahingehend analysieren, ob bestimmte Statine oder Statin-Dosierungen zu besseren Ergebnissen führen. Des Weiteren wollen sie prüfen, ob der Grund für die Einnahme eines Statins – entweder zur Prävention oder zur Behandlung von Herzerkrankungen – Auswirkungen auf die Ergebnisse hat.

Wünschenswert wäre eine klinische Studie, bei der gesunde Menschen randomisiert ein Statin oder Placebo erhielten und anschließend geprüft wird, ob die Statin-Anwender mit geringerer Wahrscheinlichkeit Krebs entwickeln oder nach einer Krebsdiagnose länger leben als diejenigen in der Placebogruppe. »Eine solche Studie kann uns helfen, herauszufinden, wer wirklich davon profitiert«, so Melloni.

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