| Jennifer Evans |
| 10.08.2026 07:00 Uhr |
Historisches Altstadtflair: Wer in der Nachbarschaft malerischer Fußgängerzonen wohnt – wie hier in Sevilla - schläft schlechter. / © Shutterstock/Mistervlad
Obwohl wir jeden Tag die Umgebung um unser Wohnhaus wahrnehmen, haben wir vermutlich noch nie darüber nachgedacht, wie dieses Straßenbild uns unterbewusst beeinflusst. Es kann sogar unseren Schlaf stören, wie eine Beobachtungsstudie um den Architekten Professor Dr. Daisuke Matsushita von der japanischen Osaka Metropolitan University gezeigt hat.
Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) hatte das Forschungsteam mehr als 200.000 Google-Street-View-Bilder untersucht. Darauf identifizierten sie objektive visuelle Merkmale der jeweiligen Nachbarschaft wie Geschlossenheit, Grünanteil und Begehbarkeit sowie subjektive Qualitäten wie Sicherheit, Lebendigkeit und Schönheit. Anschließend verknüpften sie diese Informationen mit den selbst berichteten Schlafdaten von mehr als 1000 berufstätigen Erwachsenen in Tokio im Alter zwischen 40 und 59 Jahren. Die Teilnehmenden wohnten jeweils im dritten Stock oder tiefer.
Wenig überraschend war, dass Menschen aus Stadtvierteln, denen ein stärkeres Sicherheitsgefühl zugeschrieben wird, tendenziell länger schliefen. Dasselbe galt für Personen aus Gebieten mit vielen Grünflächen oder Bäumen entlang der Straße. Allerdings berichteten auch jene von einer längeren Nachtruhe, deren Wohnumgebung von vielen hohen vertikalen Gebäuden geprägt ist. Den Forschenden zufolge steht ein hoher Grad von »Eingeschlossenheit« offenbar in Verbindung mit weniger Schlaflosigkeit.
Erstaunt war das Team nach eigenen Angaben jedoch, dass besonders fußgängerfreundliche Straßenbilder, also solche mit mehr Gehwegen, Geschwindigkeitsbegrenzungen und Fußgängerzonen, mit einem geringeren Sicherheitsgefühl und einer verkürzten Schlafdauer einhergingen.
Als eine mögliche Erklärung führen die Studienautoren und -autorinnen an, dass Straßen mit umfangreicher Fußgängerinfrastruktur oft belebter und überfüllter sind. Auch kommen dort mehr Fremde vorbei als in anderen Wohnstraßen. Das würde wiederum dafür sprechen, dass Menschen sich dort weniger sicher oder weniger entspannt fühlen.
Schlafprobleme seien ein globales Problem der öffentlichen Gesundheit, das zum Teil durch die bebaute Umwelt geprägt wird, heißt es in der Studie, die im Fachjournal »Building and Environment« erschienen ist. Die Forschenden hoffen, dass ihre Analyse neue Perspektiven für die Gestaltung gesünderer Stadtviertel eröffnet.