| Cornelia Dölger |
| 21.01.2026 13:14 Uhr |
Mehr Krankschreibungen, mehr Missbrauch? Die SPD warnt in der Debatte um die telefonische Krankschreibung vor Unterstellungen. / © Adobe Stock/Stockfotos-MG
In der Debatte um vermeintlich allzu leichte Krankschreibungswege, die Missbrauch begünstigen könnten, sind die Koalitionspartner erneut nicht einer Meinung. Angestoßen von Bundeskanzler Friedrich Merz und flankiert von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (beide CDU), zeigt sich die Unionsseite bei der telefonischen Krankschreibung skeptisch.
Merz hatte unlängst kritisiert, dass der Krankenstand in Deutschland zu hoch sei. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Baden-Württemberg hatte er laut darüber nachgedacht, wie mehr Anreize zum Arbeiten geschaffen werden könnten, und gefragt, wie begründet die telefonische Krankschreibung heute noch sei. Die Option war während der Corona-Pandemie eingeführt worden. Die Bundesgesundheitsministerin kündigte später an, das Instrument auf den Prüfstand zu stellen.
Die SPD reagiert und wehrt sich gegen einen Pauschalverdacht gegen Arbeitnehmende. Christos Pantazis, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, warnte heute in einer Mitteilung, wer die Regelung pauschal in Frage stelle, ignoriere die Realität in den Praxen und riskiere zusätzliche Bürokratie, Wartezeiten und Fehlsteuerungen.
In der Debatte um die Höhe des Krankenstands in Deutschland hatten die Hausärzte die Bundesregierung vor einer Abschaffung der telefonischen Krankschreibung gewarnt. »Alle bisherigen Auswertungen der Krankenkassen bestätigen, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu einem höheren Missbrauch bei Krankschreibungen führt«, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Pantazis pflichtete dem Verbandschef bei. Die Fakten seien eindeutig: »Es gibt keine belastbaren Belege für systematischen Missbrauch der telefonischen AU«, so Pantazis.
Politik dürfe nicht auf »Arbeitgebermärchen« hereinfallen, sondern müsse sich an Daten, Versorgungspraxis und Patientenschutz orientieren. Kassenärzteverbands-Chef Andreas Gassen hatte die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung allein nach Telefonkontakt mit dem Arzt kritisch bewertet. Die Option lade »natürlich« zum Missbrauch ein, sagte Gassen dem »Tagesspiegel«.
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