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Technologieakzeptanz
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So kann KI im Gesundheitswesen überzeugen

Menschen bewerten bahnbrechende Technologien im Gesundheitswesen unterschiedlich. Laut einer internationalen Studie urteilen sie auf Grundlage persönlicher Relevanz und eigener Erfahrung. Was bedeutet das für Vertrauen und Akzeptanz?
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 05.05.2026  08:45 Uhr

Warum reagieren Menschen so unterschiedlich auf neue Technologien? Die »Breakthrough Study« von Leaps by Bayer, der Boston Consulting Group und Ipsos UK ist dieser Frage nachgegangen. Aufbauend auf einer Untersuchung aus dem Jahr 2025 mit mehr als 13.000 Teilnehmenden, befragte die Studdienleitung dazu nun Menschen aus China, Deutschland und den USA. Im Mittelpunkt standen Haltungen zu KI im Gesundheitswesen, zu Zell- und Gentherapien (CGT) sowie zu neuen genomischen Techniken (NGTs) in der Landwirtschaft.

Ob sie Innovationen unterstützen oder ablehnen, entscheiden Menschen demnach nicht aufgrund ihres technischen Wissens. Sie orientieren sich stattdessen an Werten wie Fairness, Sicherheit und Natürlichkeit bei ihrer Sicht auf KI, Genom-Editing oder kultiviertem Fleisch. Drei Weltbilder prägen ihre Reaktionen: Optimisten, Rationalisten und Skeptiker. Diese Haltungen zeigen sich über Altersgruppen, Bildungsniveaus und Länder hinweg.

Generell nehmen die Teilnehmenden Durchbrüche im Gesundheitsbereich positiver wahr als solche in Ernährung und Landwirtschaft. Offenbar erleben sie schwere Krankheiten und überlastete Gesundheitssysteme als konkrete Bedrohung, vor allem in einkommensstarken Ländern, heißt es. Gleichzeitig erscheint die Landwirtschaft für viele weniger dringlich. In Deutschland und den USA arbeitet nur rund 1 Prozent der Bevölkerung in diesem Bereich – eine mögliche Erklärung für die Distanz.

Mediziner und Wissenschaftler als Vermittler

Während junge Menschen außerhalb der USA mit 72 Prozent KI im Gesundheitswesen meist positiv sehen, überwiegt in den Vereinigten Staaten die Skepsis – geprägt durch eigene Erfahrungen mit fehlerhaften Systemen, Deepfakes sowie einem tiefen Misstrauen gegenüber staatlicher Regulierung. Dort zeigen sich nur 42 Prozent optimistisch.

Die Analyse zeigt auch: Menschen akzeptieren KI, wenn sie etwa Ärztinnen und Ärzten sichtbar hilft und den Heilberuf nicht ersetzt. Das Prinzip der »unterstützten Versorgung« findet in allen Ländern Zustimmung. Die Studie betont, wie wichtig transparente Kommunikation und eine aktive Rolle der Wissenschaft im öffentlichen Diskurs sind. Menschen suchten nach verlässlicher fachlicher Orientierung, die ihnen helfe, komplexe Technologien zu verstehen. »Wissenschaftler, Ärzte und andere vertrauenswürdige Vermittler werden zu unverzichtbaren Übersetzern zwischen komplexer Wissenschaft und öffentlichem Verständnis«, heißt es.

Für Innovatoren lässt sich aus den Ergebnissen ebenfalls etwas ablesen. Sie schaffen Akzeptanz, wenn sie nicht nur erklären, wie ihre Technologien funktionieren, sondern auch warum wir sie brauchen und welche Werte sie schützen.

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