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Antibiotika
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Sind Fluorchinolone besser als ihr Ruf?

Vor keiner anderen Antibiotika-Gruppe wurde in den vergangenen Jahren so häufig gewarnt wie vor den Fluorchinolonen. Doch Ciprofloxacin und Co. sind nach wie vor unverzichtbar – und bei rationalem Einsatz nicht schädlicher als andere Antibiotika.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 17.08.2020  08:58 Uhr
Kurze Behandlungsdauer und strenge Indikationsstellung

Kurze Behandlungsdauer und strenge Indikationsstellung

Eine weitere UAW, die in den vergangenen Jahren zunehmende Beachtung erfahren habe, seien Störungen des peripheren Nervensystems. Periphere Neuropathien seien bei älteren Menschen an sich schon häufig, bedingt etwa durch Diabetes, falsche Ernährung, Alkohol, Arzneistoffe oder auch Infektionen. Wenn es sich um seltene Ereignisse handele, sei der Nachweis eines kausalen Zusammenhangs mit einem Medikament extrem schwierig, für die Fluorchinolone aber anhand der Auswertung der Daten von 1,4 Millionen Patienten in Großbritannien gezeigt worden. Da das Risiko mit der Behandlungsdauer steige, stellten möglichst kurze Behandlungszeiten offenbar eine Möglichkeit dar, die Schädigung peripherer Nerven zu vermeiden.

Die Indikation für eine Behandlung mit Fluorchinolonen müsse streng gestellt werden, so die Autoren. In bestimmten Anwendungsbereichen, die in der Regel mit schweren bis lebensbedrohlichen Verläufen einhergingen, seien sie aber nach wie vor angezeigt. Dazu gehörten etwa komplizierte Harnwegsinfektionen, schwere Infektionen der unteren Atemwege und systemische Infektionen. Wenn prädisponierende Vorerkrankungen bekannt seien, ließen sich therapiebedingte Schäden durch Beachtung der Kontraindikationen und Warnhinweise vermeiden.

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