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Arzneimittel-Versorgung

Schweiz will Apotheken bei Engpässen stärker einbinden

Auch die Schweiz kämpft mit Engpässen, was die Versorgung mit Arzneimitteln angeht. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat daher einige Optimierungsvorschläge vorgelegt. Die reichen von mehr Anreizen für die Hersteller bis hin zu einem Gesamtüberblick über die wichtigsten Medikamente. Aber auch die Apotheken spielen dabei eine zentrale Rolle.
Jennifer Evans
18.02.2022  15:30 Uhr
Schweiz will Apotheken bei Engpässen stärker einbinden

Bis Ende des Jahres soll eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe prüfen, welche Vorschläge aus dem neuen Bericht des Schweizer BAG dazu geeignet sind, das Problem von Arzneimittel-Lieferengpässen zukünftig in den Griff zu bekommen. Das hat der Bundesrat bei seiner letzten Sitzung beschlossen. Er beobachtet die Entwicklung der Versorgungssituation mit Sorge. In der Schweiz sind vor allem Präparate betroffen, die auf das Nervensystem wirken wie Schmerzmittel, Antidepressiva oder Antiepileptika.

Grundsätzlich haben Arzneimittel-Lieferengpässe viele verschiedene Ursachen. Dazu zählen Wirkstoffknappheit, Produktions-, Verpackungs- oder Verteilungsprobleme und Qualitätsmängel. Angesichts der angespannten Situation hat das BAG nun zusammen mit dem Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung, Swissmedic und der Armeeapotheke eine neue Analyse durchgeführt.

Demnach ist zunächst eine verbesserte Datengrundlage essenziell, die nicht nur einen Gesamtüberblick über die betroffenen Medikamente liefert, sondern auch dabei helfen soll, die Gründe für die Versorgungsprobleme besser zu verstehen. Darüber hinaus müsse die Rolle aller Akteure in der Versorgungskette künftig klar geregelt sein.

Wichtig ist ein gutes Apothekennetz

So könne die Herstellung bestimmter Dosierungen in öffentlichen Apotheken »ein wichtiges Instrument« sein, um Lieferengpässe zu bekämpfen. Zudem sollen sich ebenfalls die Spitalapotheken verstärkt an der Herstellung von Spezialpräparaten beteiligen. Voraussetzung dafür sei allerdings, sie zunächst aus- oder gar neue aufzubauen, wie es in dem Bericht heißt.

Deutlich wird in dem Dokument auch: Eine »sichere und geordnete Versorgung mit Heilmitteln einschließlich fachlicher Information und Beratung« für das ganze Land kann nur funktionieren, wenn die Apotheken breit gestreut sind. Womöglich könne eine koordinierte Beschaffung notwendig werden. In dem Fall vereinfache ein Zusammenschluss von Krankenhäusern oder eine zentrale Stelle wie Kantons- oder Armeeapotheke den Import wichtiger Arzneimittel, schlägt das BAG vor. Es ist sogar die Rede davon, die Versorgung beziehungsweise die Produktion im Notfall direkt über den Bund laufen zu lassen.

Als wichtig erachten die Autoren des Berichts außerdem, stärkere Anreize für Hersteller zu schaffen. Gemeint ist zum Beispiel ein erleichterter Marktzugang und eine bessere Struktur hinsichtlich der Reserven. Aus Sicht der Kantone sind mangelnde finanzielle Ressourcen und der Einsparungsdruck im Gesundheitswesen ganz allgemein die Hauptgründe dafür, die einem Ausbau von Lagerkapazitäten etwa in Apotheken entgegenstehen.

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