Kammerpräsidentin Franziska Scharpf bekam viel Zustimmung zu ihrer Rede. / © BAV
»Wer von Ihnen kämpft gerade für seine Apotheke, für seinen Arbeitsplatz und seine Patienten?«, fragte Franziska Scharpf, Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK) und BAK-Vizepräsidentin, unter ohrenbetäubendem Protestrufen und Trillerpfeifenkonzert der Demonstrierenden. Jetzt gehe es um Existenz und Verantwortung.
Sie habe Angst, dass es die Apotheke und den Beruf irgendwann nicht mehr geben werde und die Menschen nicht mehr so versorgt werden, wie sie es verdient hätten. Apotheken seien für die Menschen die erste ratgebende Instanz und die letzte Instanz, bevor ein Arzneimittel angewendet wird. »Wir sind wie ein Airbag: unsichtbar, aber unverzichtbar!« Darauf könnten sich die Patienten bei den Apothekern und im Schulterschluss mit den ärztlichen Kollegen verlassen.
Der vorliegende Gesetzentwurf zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) entscheide über die Zukunft, denn die Versorgung dürfe nicht in Richtung Kapitalstrukturen gesteuert werden. Scharpf würdigte aber auch die darin vorgesehenen Chancen für eine bessere Patientenversorgung. Die Zukunft in diese Richtung zu gestalten, gelinge nur mit starken öffentlichen Apotheken. »Ohne wirtschaftlich stabile Apotheken gibt es keine stabile Versorgung, keine Qualität, keine Weiterentwicklung. Wer verlässliche Versorgung will, muss diese wirtschaftlich ermöglichen. Uns gibt’s nicht zum Nulltarif!« Auch Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands (BAV) sowie des Deutschen Apothekerverbands (DAV), hatte zuvor eine sofortige Anpassung des Fixums gefordert.
Wütend sei sie – selbst PTA und Apothekerin – über die angedachte PTA-Vertretungsbefugnis, rief Scharpf. PTA dürften nicht zur Notlösung für wirtschaftlich-politische Versäumnisse der letzten Jahrzehnte werden. Diese Regelung könne schnell ein neuer Standard werden und untergrabe das Prinzip der Freiberuflichkeit.
Zweigapotheken ohne volle Leistung und Apotheken ohne Apotheker: Das sei ein Risiko für die Qualität und die Versorgung, erboste sich Scharpf. Das öffne die Tür für Strukturen, in denen die Apotheke nur noch ein Anhängsel ist. »Wenn die Politik die Versorgung sichern will, müssen überall gleiche Regeln gelten«, sagte sie mit deutlichem Verweis auf den ausländischen Versandhandel.
»Mehr Verantwortung und mehr Leistung braucht auch mehr Honorar, sonst geht es nicht weiter. Jetzt müssen wir laut sein, damit wir gehört werden: keine PTA-Vertretung, keine Zweigapotheken, mehr Honorar! Wir geben nicht auf und kämpfen für unsere Apotheken und unser Land.«
Als klares Signal an die Politik bezeichnete ABDA-Vorstandsmitglied Silke Laubscher die Geschlossenheit des Berufsstands und aller Apothekenmitarbeitenden, die zum Protesttag gekommen seien. »Alle Beschäftigten in Apotheken haben ihre Gründe, hier zu protestieren: Es geht um unser aller Zukunft!«, sagte Laubscher, die seit Jahrzehnten als angestellte Apothekerin arbeitet.