| Cornelia Dölger |
| 19.10.2026 15:25 Uhr |
Satelliten-Netzwerke als Backup für Krisenfälle – bislang schwingen da Zweifel mit. / © Y'alax/Shutterstock
Unbestreitbar dürfte sein, dass für eine krisenfeste Arzneimittelversorgung auf Apotheken nicht verzichtet werden kann. Bei der Vorsorge hapere es aber nach wie vor, warnte Oberstapotheker Bernd Klaubert beim jüngsten PZ-Talk »Alex’ Doppelte Dosis«. Verantwortlichkeiten, Netzwerke und die Bevorratung von Arzneimitteln müssten bereits vor einer Krise geplant werden.
Dass die Apothekerschaft sich dazu in Stellung bringt und nun in einem ABDA-Strategiepapier darlegt, wie Apotheken und damit die Gesundheitsversorgung im Krisenfall gestärkt werden können, begrüßt der Hagener Apotheker Christian Fehske. Für ihn ist vor allem die krisenfeste Kommunikation ein Thema. Fehske, der sich schon lange mit Katastrophenvorsorge und der Notwendigkeit beschäftigt, in der Krise Köpfe zu kennen, hat in der Kommunikationsfrage zumindest für sich eine Lösung gefunden.
Er plädiert gegenüber der PZ dafür, sich per Satelliteninternet gegen Blackouts abzusichern, was in Ermangelung europäischer Anbieter automatisch auf Elon Musks Starlink-Netzwerk hinausläuft. Trotz aller nachvollziehbaren Vorbehalte gegen Musk und sein Unternehmen sieht der Apotheker darin für die Apotheken mehr Vor- als Nachteile. Daher fragte er zudem bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) nach, ob eine solche Anbindung grundsätzlich empfohlen werden könne.
Davon, dass die AKWL als Körperschaft des öffentlichen Rechts sich darauf einlässt, Apotheken eine Zusammenarbeit mit einem privatwirtschaftlichen Unternehmen zu empfehlen, ist allerdings nicht auszugehen – noch dazu in einem Marktsegment ohne Wettbewerb. Zudem haben gerade die letzten Tage gezeigt, wie Abhängigkeiten von Satellitendiensten politisch genutzt werden können.
So berichteten ukrainische Stellen vergangene Woche über kurzfristige Einschränkungen von Musks Starlink- beziehungsweise Starshield-Diensten, die Militäreinsätze behindert hätten. Es mehren sich inzwischen die Hinweise, wonach die US-Regierung die Drosselung von Geschwindigkeit und Bandbreite veranlasst haben soll. Hinzu kommt, dass unter anderem an Musks politischer Verlässlichkeit erhebliche Zweifel bestehen.
Aber aus diesen Gründen im Notfall auf ein Backup verzichten und lieber gar kein Internet haben als Starlink? Fehske kann einen solchen Standpunkt nicht nachvollziehen. Sollten die USA im Übrigen entscheiden, Deutschland das Satelliteninternet zu kappen, spiele die Internetanbindung von Apotheken voraussichtlich keine entscheidende Rolle.
Im ABDA-Strategiepapier setzt man auf einen möglichst schnellen Wiederanschluss nach Netzausfällen. Mit Verweis auf § 186 Telekommunikationsgesetz (TKG) wird etwa gefordert, die gesetzlich verankerte Priorisierungsregel für Krisen- und Notfälle auch auf Apotheken anzuwenden. Sie sollen also bei Ausfällen oder Engpässen von Telefon-, Mobilfunk- und Internetdiensten ähnlich wie andere kritische Einrichtungen bevorzugt versorgt und wieder ans Netz angeschlossen werden.
Am Ende müsse es aber auch darum gehen, Ausfällen vorzubeugen, so Fehske. Er sieht vor allem die Bestellwege zwischen Apotheken und Großhandel gefährdet. In solchen Fällen auf telefonische Bestellungen auszuweichen oder Botenfahrten für schriftliche Bestellungen zu nutzen, hält Fehske aus verschiedenen Gründen für wenig hilfreich.