Bei einer allergischen Konjunktivitis sind in der Regel beide Augen gerötet. Betroffene mit einer Frühblüher-Allergie haben zum Teil jetzt schon Symptome. / © Adobe Stock/Antonio
Alle Jahre wieder meldet sie sich bei Betroffenen als eine besondere Art von Frühlingsbotin: Die Augen jucken heftig, sind stark gerötet und häufig tränen sie. Noch bevor draußen der letzte Schnee geschmolzen ist, macht sich auf diese Weise bei vielen Allergikern die Frühblüher-Saison bemerkbar. Aktuell blühen in einigen westdeutschen Regionen bereits Hasel und Erle. Bei entsprechend Disponierten lösen deren Pollen eine Immunglobulin-(Ig-)E vermittelte Überempfindlichkeitsreaktion vom Soforttyp aus. Antigene binden dabei an IgE auf Mastzellen; in der Folge kommt es zu einer Freisetzung verschiedener Mediatoren, vor allem von Histamin.
Suchen Betroffene in der Apotheke um Rat, darf diese Frage trotzdem nicht fehlen: Seit wann bestehen die Beschwerden bereits? Denn auch wenn Frühblüher aktuell die wahrscheinlichsten Auslöser sind, können es auch ganzjährig (perennial) vorkommende Allergene sein. Zu diesen gehören unter anderem Hausstaubmilben und Tierhaare. Und auch infektiöse Ursachen sollten ausgeschlossen beziehungsweise bei einem entsprechenden Verdacht an den Arzt verwiesen werden. Dies kann unter anderem der Fall sein, wenn die Symptome nur an einem Auge auftreten.
Um die Beschwerden rasch zu lindern, eignen sich an erster Stelle topisch anwendbare H1-Antihistaminika. Sie binden an Histamin-Rezeptoren vom Typ 1 und hemmen so kompetitiv die Wirkung des bei der allergischen Reaktion freigesetzten Histamins. Zu ihnen gehören Azelastin (etwa Allergodil® akut; ab vier Jahren), Ketotifen (etwa Ketotifen Stulln® oder Allergo-Vision® sine; ab drei Jahren) und Levocabastin (etwa Livocab® direkt; ab einem Jahr). Alle drei stabilisieren außerdem die Mastzellmembran und verhindern so eine Freisetzung von Histamin und anderen Entzündungsmediatoren. Die Anwendung erfolgt jeweils zweimal täglich und sollte während der Allergiezeit regelmäßig geschehen. Hinweis für die Beratung: Da es sich bei Levocabastin Augentropfen um eine Suspension handelt, muss das Arzneimittel vor der Anwendung geschüttelt werden.
Über eine Stabilisierung der Mastzellmembran hemmt Cromoglicinsäure (etwa Pollicrom® oder Vividrin®; ab Kindesalter) die Freisetzung von Histamin, nicht jedoch dessen Effekte an den entsprechenden Rezeptoren. Daher ist es sinnvoll, mit der Anwendung bereits ein bis zwei Wochen vor dem erwarteten Pollenflug zu beginnen und sie bis zu dessen Nachlassen konsequent fortzusetzen. Cromoglicinsäure wird viermal täglich (bei Bedarf bis zu sechsmal täglich) angewendet.
Bei stärkeren Beschwerden und/oder wenn nicht nur die Augen betroffen sind, kann eine systemische Therapie eine sinnvolle Option darstellen. In der Selbstmedikation stehen als Antihistaminika der zweiten Generation zum Beispiel Bilastin (etwa Allegra®), Cetirizin (etwa Zyrtec®)/Levocetirizin (etwa Xusal®) oder Loratadin/Desloratadin (jeweils diverse Generika) zur Verfügung. Im Gegensatz zu älteren Antihistaminika wirken sie kaum beziehungsweise nicht sedierend. Dennoch kann für die empfohlene Dosis von einmal einer Tablette täglich eine abendliche Einnahme empfohlen werden, wenn Patienten diesbezüglich unsicher sind.