| Sven Siebenand |
| 15.07.2026 18:00 Uhr |
Für die Behandlung der atopischen Dermatitis könnten zukünftig auch Therapeutika eine Rolle spielen, die den OX40-Signalweg blockieren. / © Getty Images/ Evgeniia Gordeeva
Der OX40-Rezeptor (OX40R) ist ein Mitglied der TNF-Rezeptor-Familie. Aktiviert wird er, nachdem der Ligand OX40L daran gebunden hat. Das führt zur verstärkten Aktivierung und Proliferation von Effektor- und Gedächtnis-T-Zellen und fördert deren Überleben. Rocatinlimab ist ein gegen den OX40-Rezeptor gerichteter Antikörper. Durch die Blockade des OX40-Signalwegs werden sowohl entzündungsfördernde Effektor-T-Zellen als auch langlebige Gedächtnis-T-Zellen reduziert, die bei atopischer Dermatitis eine Rolle spielen. Damit verfolgt Rocatinlimab einen neuartigen Ansatz, der sich von der Hemmung einzelner Entzündungsmediatoren wie IL-4, IL-13 oder JAK-Signalwegen unterscheidet.
In zwei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studien wurde Rocatinlimab nun untersucht. In ROCKET-IGNITE erhielten 769 erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis in der Erhaltungsphase alle vier Wochen subkutan 150 oder 300 mg Rocatinlimab oder Placebo, in ROCKET-HORIZON wurden 726 Patienten in der Erhaltungsphase alle vier Wochen mit 300 mg Rocatinlimab subkutan oder Placebo behandelt.
Primäre Endpunkte waren nach 24 Wochen ein EASI-75-Ansprechen sowie ein Investigator’s Global Assessment (vIGA-AD) von 0 oder 1. vIGA 0 bedeutet erscheinungsfreies Hautbild und vIGA 1 bedeutet fast erscheinungsfreies Hautbild. Ein EASI-75-Ansprechen (Eczema Area and Severity Index) bedeutet, dass sich die Ekzem-Symptome bei atopischer Dermatitis um mindestens 75 Prozent gegenüber dem Ausgangswert verbessert haben.
Im Fachjournal »Lancet« sind die Ergebnisse der beiden Studien veröffentlicht. In ROCKET-IGNITE erreichten 42 Prozent der Patienten unter Rocatinlimab 300 mg und 36 Prozent unter 150 mg ein EASI-75-Ansprechen gegenüber 13 Prozent unter Placebo. Ein vIGA-AD-Wert von 0 oder 1 wurde von 24 Prozent beziehungsweise 19 Prozent der Patienten erreicht, verglichen mit 9 Prozent unter Placebo. In ROCKET-HORIZON lag die EASI-75-Rate unter Rocatinlimab 300 mg bei 33 Prozent gegenüber 14 Prozent unter Placebo; einen vIGA-AD von 0 oder 1 erreichten 19 Prozent versus 7 Prozent der Patienten. Sämtliche Unterschiede gegenüber Placebo waren statistisch signifikant.
Das Sicherheitsprofil erwies sich insgesamt als günstig. Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen gehörten Fieber und Aphthen.
Rocatinlimab ist übrigens nicht der einzige Antikörper, der auf den OX40-Signalweg abzielt. Auch zum Beispiel Amlitelimab wird bei atopischer Dermatitis getestet. Dieser Antikörper ist allerdings nicht gegen den OX40-Rezeptor gerichtet, sondern gegen den OX40-Liganden.