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Thüringen

Regierung prüft Zukunft der Pharmazie in Jena

In Thüringen soll die Landesregierung in den kommenden Monaten prüfen, unter welchen Voraussetzungen der Studiengang Pharmazie an der Universität Jena ausgebaut werden kann. Hintergrund ist ein Antrag mehrerer Parteien, der es nun durch den Landtag geschafft hat.
Stephanie Schersch
20.10.2020  09:56 Uhr

Über Nachwuchssorgen klagen Apotheker in Thüringen seit vielen Jahren. Auch die Ausbildung im Freistaat ist demnach ein Teil des Problems. Denn der Studiengang Pharmazie wird in Thüringen allein an der Universität in Jena gelehrt. Dort schließen jährlich im Schnitt rund 80 Pharmazeuten ihr Studium ab – und damit viel zu wenig, sind die Apotheker überzeugt.

Nun scheint endlich Bewegung in die Sache zu kommen. Die Landesregierung soll prüfen, »ob angesichts der baulichen Gegebenheiten die Voraussetzungen für eine Kapazitätssteigerung für den Studiengang Pharmazie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena gegeben sind und wenn ja, mit welchen Kosten eine solche Erhöhung der Studienplatzzahl verbunden wäre«. So steht es in einem Antrag, den die Fraktionen von SPD, CDU, Linken, Grünen und FDP gemeinsam aufgelegt haben. Anfang Oktober hat der Landtag dem Vorstoß zugestimmt und damit den offiziellen Prüfauftrag erteilt.

Für den Fachbereich Medizin sieht der Antrag darüber hinaus vor, die Anzahl der Studienplätze um ganze 10 Prozent zu erhöhen. Auch die Apotheker hätten sich eine solche pauschale Aufstockung gewünscht. Doch ganz so einfach ist die Ausgangslage in der Pharmazie derzeit nicht. Das Institut ist in die Jahre gekommen und für mehr Studenten eigentlich zu klein. Ohne einen Ausbau wird es daher nicht gehen, der nun im Mittelpunkt des Prüfauftrags steht. Ziel ist ein umfassendes Konzept zur Steigerung der Kapazität in den kommenden Jahren, »welches gegebenenfalls auch bauliche Erweiterungen und die Bereitstellung der dafür erforderlichen finanziellen Mittel berücksichtigt«, heißt es in dem Antrag. Dabei soll zusammen mit der Uni Jena auch die Einrichtung eines Lehrstuhls für Klinische Pharmazie geprüft werden.

Gesundheitsministerin steht hinter den Apothekern

Für Stefan Fink, Chef des Apothekerverbands Thüringen( ThAv), ist der Prüfauftrag ein erster Erfolg, auch wenn der Weg zu mehr Pharmaziestudenten in Jena noch lang sein dürfte. Zuletzt hatte das zuständige Wissenschaftsministerium in der Angelegenheit immer wieder geblockt, nun soll es bis zum Frühjahr die Ergebnisse der Prüfung präsentieren. Dabei wissen die Apotheker Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) Fink zufolge bereits auf ihrer Seite. Erst in der vergangenen Woche hatte sie den Verbandsvorsitzenden in seiner Weimarer Apotheker im Rahmen einer Wertschätzungstour besucht und den Apothekern für ihren Einsatz im Zuge der Coronavirus-Pandemie gedankt.

Dabei hat Fink mit Blick auf den Fachkräftemangel auch noch ein anderes Thema zur Sprache gebracht. So müsse die Überprüfung und Anerkennung der Abschlüsse von Pharmazeuten aus Drittstaaten künftig schneller vonstattengehen. »Hier muss deutlich mehr passieren«, sagte Fink gegenüber der PZ. So sei es zuletzt zu einer Art Bearbeitungsstau gekommen. Gesundheitsministerin Werner habe an dieser Stelle durchaus Verständnis für die Forderung der Apotheker gezeigt, so der ThAv-Chef.

 

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