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Onkologische Pharmazie

Quo vadis?

Beim NZW-Kongress in Hamburg diskutierten circa 750 Apotheker und Ärzte Zukunftsoptionen der onkologischen Arzneimittelversorgung und oralen Zytostatikatherapie sowie der pharmazeutischen Betreuung von Krebspatienten.
Christiane Berg
28.01.2019  11:16 Uhr

Der 27. Onkologisch-Pharmazeutische Fachkongress NZW der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie (DGOP), der European Society of Oncology Pharmacy (ESOP) und der Apothekerkammer Hamburg stand im Zeichen der Zukunftsmedizin zu Zeiten des Silicon Valley. Das dreitägige »Großereignis der Onkologischen Pharmazie« mit Haupt- und Kurzvorträgen, Workshops, Symposien und einer interaktiven Industrieausstellung am vergangenen Wochenende in Hamburg bot zahlreiche Denkanstöße.

»Die onkologische Pharmazie ist eine Erfolgsgeschichte, doch steht auch sie angesichts der derzeitigen digitalen Revolution vor großen Herausforderungen«, so hatte der Präsident der DGOP, Klaus Meier, bei der Eröffnung des Wochenendkongresses deutlich gemacht. Meier sprach von »Zeiten großer Veränderungen, in denen wir uns befinden«. »Wir wissen nicht, was uns das Morgen bringt, wir müssen uns aber trotzdem bewegen, um uns zu positionieren und uns in der Zukunft zu bewähren«, betonte er. Der DGOP-Präsident zeigte sich zuversichtlich: Bewährtes und Neues zu verbinden sei schon immer das Geheimrezept des NZW gewesen. »Wir müssen darin fortfahren, das richtig und gut zu tun, was wir können«, sagte Meier.

»Künstliche Intelligenz, Roboter und 3D-Drucker für Medikamente mögen Einzug halten und möglicherweise auch Vorzüge mit sich bringen. Computer können und werden den Apotheker jedoch nicht ersetzen«, zeigte sich bei der Begrüßung der Präsident der Apothekerkammer Hamburg, Kai-Peter Siemsen, überzeugt. »Wir haben es bei unseren Patienten mit Menschen zu tun. Diese wollen und brauchen empathische Betreuung, Beratung und Begleitung. Es wird lange dauern, bis Maschinen das können. Wir Apotheker hingegen sind geradezu prädestiniert für diese Aufgabe«, unterstrich der Kammerpräsident.

»Heute ist morgen«

Reguläre Analyse der DNA zur personalisierten Arzneimitteltherapie oder Erkennung genetischer Erkrankungen durch Gesichtsanalyse mit entsprechender Hard- und Software: »Was ist das nächste große Ding? Wenn wir verstehen wollen, wie unsere Welt in wenigen Jahren aussieht und wohin der Weg geht, kommen wir nicht umhin, nach Silicon Valley zu sehen«, machte in einem Festvortrag Thomas Schulz, langjähriger Silicon-Valley-Korrespondent des »Spiegel« mit dem Schwerpunkt IT- und Hightech-Industrie und Autor des Buches »Zukunftsmedizin« deutlich. Alzheimer heilen, den Krebs besiegen, Jahrzehnte länger leben: »Lange Zeit konnten wir von solchen Durchbrüchen in der Medizin nur träumen. Doch vieles ist schon heute technisch machbar. Es wird keine 20, sondern nur noch drei bis fünf Jahre dauern, bis viele Visionen Wirklichkeit werden«, so Schulz.

Der Journalist erklärte, dass Start ups und Konzerne wie Google, Microsoft oder Apple und Co. mit Hilfe von Algorithmen und rasant wachsenden Datenmengen an bahnbrechenden neuen Therapien und Diagnosemöglichkeiten arbeiten. »Der Fortschritt verläuft nicht gradlinig, sondern exponenziell. Er ist von gigantischen Beschleunigungseffekten geprägt und bewegt sich mit Verdopplungssprüngen, die mit der Zeit immer gewaltiger werden, da neue Mischformen wissenschaftlicher Disziplinen zusammenfließen«, so Schulz. »Wir stehen am Beginn einer transformierenden Ära in der Wissenschaft und medizinischen Technologie sowie gewaltigen Umstrukturierungen in allen Bereichen unseres Lebens mit vielen ethischen Fragen, die in keiner Weise geklärt sind«, ist Schulz überzeugt.

Die Entwicklungen seien nicht aufzuhalten. Und das sei »gut so«. Die Geschichte belege, dass es der Menschheit mit jeder Dekade immer besser geht. Das zunehmende Tempo der Prozesse erhöhe jedoch den Druck, sich mit den möglichen Folgen auseinanderzusetzen. »Wenn heute in wenigen Monaten passiert, was früher zehn Jahre brauchte, dann können wir nicht in Ruhe abwarten, sondern müssen dringend darüber diskutieren, welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen und ethisch-moralischen Probleme damit verbunden sind«, so Schulz.

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