| Laura Rudolph |
| 18.06.2026 17:30 Uhr |
Auch das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) war Thema der Versammlung. Die zweistufige Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro werde dem Apothekensterben nur vorübergehend entgegenwirken, prognostizierte Wohlfeil: »Vermutlich werden wir zwei, drei Jahre Ruhe haben.« Je nachdem, wie sich die Rahmenbedingungen danach entwickelten, könnte in einigen Jahren wieder eine Schließungswelle einsetzen. Der Geschäftsführer erwartet einen ähnlichen temporären Effekt wie während der Hochphase der Coronapandemie. In dieser Zeit hätten kaum Apotheken geschlossen.
Hinzu komme die geplante Anhebung des Apothekenabschlags an die Krankenkassen von 1,77 auf 2,07 Euro. Wohlfeil machte deutlich, dass diese dauerhafte Honorarkürzung sowie steigende Personalkosten infolge der Erhöhung des Mindestlohns die Fixumserhöhung nahezu aufzehren würden. Rechne man mit den verbliebenen rund 16.600 Apotheken in Deutschland, ergebe sich ein Fixumsplus von 909 Millionen Euro pro Jahr. Davon seien jedoch 166 Millionen Euro durch die Abschlagserhöhung und weitere 670 Millionen Euro durch steigende Personalkosten abzuziehen. Am Ende blieben 73 Millionen Euro zusätzlicher Ertrag pro Jahr – umgerechnet lediglich rund 4400 Euro pro Apotheke.
Mit Blick auf Retaxationen durch die Krankenkassen teilte Wohlfeil einen praktischen Tipp. Eine Nachfrage beim ARZ Darmstadt habe ergeben, dass von rund 26.000 Retaxationen etwa 11.000 einen Wert von weniger als 5 Euro aufwiesen. »Schreiben Sie einfach immer ›Einspruch‹ auf die Retaxation und faxen sie an die Krankenkasse. Diese muss Ihnen dann antworten und sich mit dem Fall beschäftigen. Machen Sie dem Gegner Arbeit.«
Was die generelle Struktur der Krankenkassenlandschaft angeht, wünscht sich Wohlfeil: »Eine Kasse – ein System. Da sind uns Luxemburg und Frankreich weit überlegen als uns mit unseren 93 Krankenkassen.« Der Abbau von Bürokratie sei einer der größten Hebel, um das Gesundheitssystem zu entlasten.
Der nächste Kampf werde außerdem der gegen den Versandhandel sein. »Wir werden uns stärker positionieren müssen«, so Wohlfeil, und beispielsweise fordern, dass Zuzahlungen auch online in voller Höhe geleistet werden müssen und für alle Marktteilnehmer die gleichen Bedingungen gelten.