| Laura Rudolph |
| 11.03.2026 18:00 Uhr |
Besonders pharmazeutisch wird es jeden zweiten Donnerstag bei der Pharmavisite. Hier wird besonderes Augenmerk auf die Medikation der Patienten gelegt. »Es werden zum Beispiel auch mal Indikationen hinterfragt. Oder wenn neue Symptome auftauchen, wird geschaut, ob diese mit der Medikation zusammenhängen könnten«, erklärt Köhne. »Es ist sehr interessant zu sehen, wie die Station hier von Apothekerinnen und Apothekern profitieren kann.«
Eine Besonderheit im palliativen Setting ist, dass sehr viele Medikamente im Off-Label-Use, also außerhalb ihrer Zulassung zum Einsatz kommen. Das macht es natürlich auch schwieriger, Antworten und Lösungen für Fragen beziehungsweise Situationen zu finden, wenn es hierzu wenig bis kaum Studien gibt. Hinzu kommt, dass der Medikationsplan bei palliativ behandelten Patienten oft lang ist. Das macht das Medikationsmanagement häufig besonders herausfordernd.
Im palliativen Setting findet viel Off-Label-Gebrauch statt. Hier zieht Krankenschwester Irene Schießl eine Spritze auf. / © PZ/Laura Rudolph
Genau das findet Köhne spannend, wie sie verrät: »Pharmazeutisch ist es sehr interessant, gerade weil man viel im Off-Label-Bereich unterwegs ist, weil das an der Universität gar nicht so ausführlich drankam. Dann kann man sich selbst mal überlegen, warum dieser Arzneistoff bei dieser Indikation überhaupt funktioniert. Was mir am besten gefällt, ist, dass ich jeden Tag etwas Neues lernen und mein Wissen auch weitergeben kann.« Letzteres tut sie im Bereich der Arzneimittelinformation, die das Kernstück ihrer Arbeit bildet.
Wie läuft Arzneimittelinformation in diesem Fall ab? »Wir bekommen von außerhalb Anfragen aus dem palliativen Versorgungsbereich – von Palliativstationen, ambulanten Palliativteams, aber auch von öffentlichen und Klinikapotheken. Diese beantworten wir entweder aus unserer eigenen Datenbank oder aus alten Anfragen. Bei neuen Fragestellungen recherchieren wir selbst, lesen verschiedene Paper und belegen damit unsere Empfehlungen.« Anfragen werden in der Regel innerhalb von einer Woche beantwortet, bei dringenden Fällen kann die Antwort aber auch schon am selben oder am nächsten Tag notwendig sein.
Zusätzlich pflegt Köhne die frei zugängliche Online-Datenbank pall-OLU, die Informationen zur Off-Label-Anwendung von Medikamenten in der Palliativmedizin zusammenträgt, und begleitet den Aufbau der zugehörigen englischsprachigen Website. Außerdem erstellt sie Entlassmedikationspläne, denn nicht alle Patienten versterben auf der Station. »Rund 30 Prozent der Patienten werden entlassen, entweder nach Hause oder in ein Hospiz. Dann bekommen sie von uns einen Medikationsplan«, führt Köhne aus.
Kein Tag im Praktikum sei wie der andere, betont die Pharmazeutin. Mal gebe es an einem Tag drei bis vier Entlassungen, mal mehrere Tage keine. Und: »Oft ist es so, dass jemand, der gestern noch gelebt hat, heute nicht mehr unter uns ist.«