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Reizdarmsyndrom

Phytotherapie nicht zu kurz anwenden

Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe

  • Empfehlungsgrad A (sollen eingesetzt werden): Spasmolytika, Pfefferminzöl
  • Empfehlungsgrad B (sollte eingesetzt werden): Amitriptylin, Linaclotid, 5-HT 3 -Antagonisten
  • Empfehlungsgrad 0 (kann eingesetzt werden): SSRI, Duloxetin
  • keine Empfehlung für periphere Analgetika (ASS, Paracetamol, NSAR, Metamizol), µ-Opioid-Agonisten, Pregabalin

Blähungen, abdominelle Distension, Flatulenz

  • Empfehlungsgrad A (soll eingesetzt werden): Pfefferminzöl
  • Empfehlungsgrad B (sollte eingesetzt werden): Linaclotid
  • keine Empfehlung für Entschäumer (Simethicon, Dimethicon)

Die beste Evidenz liege bei den Phytopharmaka für Pfefferminzöl vor, so Madisch (zum Beispiel Buscomint®).  Aber auch die Kombipräparate Iberogast® (mit dem offiziellen Kürzel STW-5) sowie Iberogast® Advance (STW-5-II) seien empfehlenswert. Sie zeigten positive Effekte bei Reizdarm generell und abdominellen Schmerzen im Speziellen. Iberogast enthält Iberis amara, Angelikawurzel, Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel; bei Iberogast Advance wurde auf Angelikawurzel und Schöllkraut verzichtet.

Generell können auch ausgewählte Probiotika empfohlen werden. Hier unterscheide sich der Effekt jedoch individuell von Patient zu Patient sowie je nach Bakterienstamm und Leitsymptom. Die Studienlage zu den einzelnen Stämmen werden auf Seite 94 und 95 der Leitlinie einzeln bewertet. Die verfügbare Evidenz bildet laut Leitlinie »keine belastbare Grundlage für differenzierte Graduierungen der Empfehlung im Hinblick

auf einzelne Stämme beziehungsweise Kombinationspräparate und/oder Applikationsmodalitäten.« Präbiotika werden nicht empfohlen.

Ernährung nicht vergessen

Neben der medikamentösen Therapie dürfen aber auch andere Maßnahmen nicht vergessen werden. Den wohl größten Einfluss hat die Ernährung. Eine sogenannte Low-FODMAP-Diät sei hier die wichtigste Maßnahme, erklärte Madisch. Dabei werden kurzkettige Kohlenhydrate, die vergären wie Fructose, Lactose und Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, weggelassen. »Die Evidenz ist gut, allerdings ist die Liste zu vermeidender Lebensmittel lang. Daher ist diese Diät dauerhaft kaum durchzuhalten und wir empfehlen sie nur für vier bis acht Wochen konsequent durchzuziehen und dann die FODMAP-haltige Lebensmittel langsam versuchsweise wieder einzuführen.«

Gute Evidenz gebe es zudem für Maßnahmen wie kognitive Verhaltenstherapie, Bauch-gerichtete Hypnose, Yoga oder Stressreduktion.

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