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Reizdarmsyndrom

Phytotherapie nicht zu kurz anwenden

Effiziente Therapieoptionen sind vorhanden

»Wir haben gute Therapiemöglichkeiten, sie wirken aber nur, wenn der Patient sie konsequent anwendet«, so Madisch. Oft kämen Patienten zu ihm, die schon viele Präparate ausprobiert hätten – »aber oft nur ein bis zwei Wochen und das ist zu kurz bei Phytopharmaka und Probiotika, um einen Effekt zu erzielen«, betonte der Arzt. Die Anwendung der symptomatischen Therapie soll aber auch nicht dauerhaft erfolgen. »In der Regel sollte die Einnahme über acht bis zwölf Wochen erfolgen, bei gutem Ansprechen auch länger«, erläuterte Madisch. Irgendwann solle jedoch immer ein Auslassversuch erfolgen.

Kombinationen von Medikamenten sind möglich, damit sollte jedoch nicht begonnen werden. »Hier sollte man systematisch vorgehen, denn nur so können wir herausfinden, worauf der Patient anspricht – und das kann durchaus unterschiedlich sein«, erklärte der Gastroenterologe. 

Apothekerinnen und Apotheker sollten die Patienten bei vorliegender ärztlicher Diagnose eines Reizdarmsyndroms auf die mehrwöchige Therapiedauer hinweisen. »Kommt jedoch ein Patient mit Symptomen, aber ohne gestellte Diagnose, sollten Sie eine Selbstmedikation nur über ein bis zwei Wochen empfehlen. Halten die Symptome dann noch an, sollte der Betroffene zum Arzt – auch um eine bösartige Erkrankung auszuschließen.«

Die Leitlinie führt vier Kardinalsymptome auf und nennt die jeweiligen Behandlungsmöglichkeiten. Zum Teil werden sie aber nur in Einzelfällen oder bei Nicht-Ansprechen oder Unverträglichkeit bevorzugter Alternativen empfohlen oder bei bestimmter Symptomkombination. Hier die Empfehlungen für die symptomspezifische Therapie erwachsener Patienten mit Reizdarmsyndrom:

Durchfall

  • Empfehlungsgrad B (sollte eingesetzt werden): Loperamid, Colestyramin, Eluxadolin, 5-HT 3 -Antagonisten
  • Empfehlungsgrad 0 (kann eingesetzt werden): lösliche Ballaststoffe, Colesevelam
  • keine Empfehlung für Racecadotril

Verstopfung

  • Empfehlungsgrad A (sollen eingesetzt werden): Laxanzien vom Macrogol-Typ
  • Empfehlungsgrad B (sollte eingesetzt werden): (lösliche) Ballaststoffe, osmotische oder stimulierende Laxanzien, Prucaloprid, Linaclotid, Lubiproston
  • Empfehlungsgrad 0 (kann eingesetzt werden): Plecanatid
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