| Lukas Brockfeld |
| 06.08.2026 15:00 Uhr |
Für die forschungsintensiven Pharmaunternehmen ist der Schutz geistigen Eigentums besonders wichtig. / © Adobe Stock/Gorodenkoff Productions OU
Die Weltwirtschaft ist seit Jahren in Unordnung. Der russische Angriff auf die Ukraine und die chaotische Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump stellen insbesondere die exportorientierte deutsche Wirtschaft vor enorme Herausforderungen.
Die Europäische Union bemüht sich daher aktuell um eine ganze Reihe von Handelsabkommen. So wurde Anfang des Jahres das »Broad-based Trade and Investment Agreement« (BTIA) mit Indien geschlossen, das unter anderem den Abbau der Zölle auf Arzneimittel vorsieht. Auch das Mercosur-Handelsabkommen mit Südamerika, das die größte Freihandelszone der Welt schaffen soll, könnte den deutschen und europäischen Pharmaunternehmen neue Absatzmärkte verschaffen.
Die deutschen Pharmaunternehmen reagierten sehr positiv auf die Abkommen. Im Januar bezeichnete die damalige Merck-CEO Belén Garijo das Mercosur-Abkommen auf Nachfrage der PZ als »wichtiges Signal des Vertrauens und der Zusammenarbeit«. »Freihandel ist der Schlüssel zur weltweiten Weiterentwicklung von Technologien, zur Entwicklung neuer Medikamente und zur Ernährung einer wachsenden Bevölkerung. Davon profitieren alle«, betonte die Geschäftsführerin, die im Mai zum französischen Pharmakonzern Sanofi wechselte.
Doch inzwischen kommen vonseiten der Pharmaunternehmen auch besorgte Stimmen. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) hat in der neuen Ausgabe des »MacroScope Pharma Economic
Policy Briefs« eine Analyse veröffentlicht, in der die Notwendigkeit des Patentschutzes hervorgehoben wird. Für die Analyse hat der vfa Daten des International Intellectual Property Index ausgewertet. Der von der U. S. Chamber of Commerce veröffentlichte Index vergleicht die Schutzsysteme für geistiges Eigentum in 55 Ländern. Ergänzend wurde ein spezifischer Pharma-Score aus sechs besonders relevanten Indikatoren gebildet.
Der Verband sieht deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Märkten. Länder wie Australien und Kanada verbänden attraktive Marktbedingungen mit einem starken Schutz geistigen Eigentums. Doch in anderen Ländern wie Indien, Indonesien oder Argentinien sehe man deutliche Lücken beim Patentschutz.
»Wer neue Märkte für innovative Arzneimittel erschließen will, braucht neben öffnenden Märkten einen wirksamen Schutz der Innovationen«, mahnt vfa-Chefvolkswirt Claus Michelsen. »Patente und regulatorischer Datenschutz sind keine nachgelagerte Detailfrage. Erst dadurch wird die notwendige Verlässlichkeit geschaffen, damit Unternehmen Handel treiben und gleichzeitig in Forschung und Entwicklung investieren.«
Die EU müsse das beim Abschluss neuer Handelsabkommen bedenken und den IP-Schutz gleichrangig mit dem Marktzugang behandeln. »Ein großer und wachsender Markt wird für forschungsintensive Unternehmen nur dann wirklich erschlossen, wenn Innovationen dort auch verlässlich geschützt werden«, so Michelsen. »Handelsabkommen sollten deshalb nicht nur Zölle senken, sondern auch konkrete Reformen beim Schutz geistigen Eigentums unterstützen.«