Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

England
-
»Pharmacy First« wird ausgeweitet

Die britische Regierung hat ein Förderpaket für Apotheken angekündigt. Demnach soll unter anderem das »Pharmacy First«-Programm in öffentlichen Apotheken ausgeweitet werden. Die Apothekerschaft beschreibt das Paket zwar als einen Schritt in die richtige Richtung, kritisiert dennoch fehlende Maßnahmen.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
AutorKontaktDaniela Hüttemann
Datum 16.06.2026  10:30 Uhr

Apotheken dürfen freier austauschen

Außerdem ist nun generell die »Verschreibung« eines alternativen Präparats durch den Apotheker möglich, wenn dies zur Deckung der Bedürfnisse einer Patientin oder eines Patienten erforderlich ist. Dies sei beispielsweise bei Lieferengpässen im Zusammenhang mit dem ursprünglichen Rezept oder bei Feststellung eines Fehlers auf dem Rezept möglich. Voraussetzung ist jedoch, dass mit der ursprünglich verschreibenden Ärztin oder dem Arzt Vereinbarungen bestehen, die einen solchen Ansatz zulassen.

Die britische Regierung erhofft sich dadurch eine Entlastung der Hausärztinnen und Hausärzte sowie eine Verbesserung der Versorgung. Gleichzeitig soll die Belastung der Krankenhäuser reduziert werden, indem der Gang zur Notaufnahme durch den Gang zur Apotheke ersetzt wird.

»Mit unserem wegweisenden Zehn-Jahres-Gesundheitsplan nutzen wir das Potenzial unserer hochqualifizierten Apotheken optimal. Gleichzeitig verbessern wir den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen und bieten den Patientinnen und Patienten eine bessere Versorgung direkt vor ihrer Haustür«, sagte Stephen Kinnock vom britischen Gesundheitsministerium laut einer Mitteilung vom 29. Mai.

Apothekerschaft sieht Erfolg durch mangelnde Finanzierung gefährdet 

Der Nationale Apothekerverband (NPA) zeigt sich hingegen mit dem Paket nicht zufrieden. Er kritisiert zum einen die Rekordzahl an Apothekenschließungen in England und macht auf die gestiegenen Kosten aufmerksam, die unter anderem durch Inflation und eine Erhöhung der Gewerbesteuer verursacht wurden.

Der NPA-Vorsitzende Olivier Picard äußerte Bedenken hinsichtlich der Umsetzung der Maßnahmen: »Wir befürchten, dass viele Apotheken aufgrund der derzeitigen Finanzierungshöhe Schwierigkeiten haben werden, diese Entwicklung voranzutreiben. Das gefährdet den Erfolg.«

Auch Leyla Hannbeck, die Geschäftsführerin der Independent Pharmacies Association, die etwa 5000 Apotheken in England und Wales vertritt, sagte gegenüber der BBC, dass die Änderungen zwar »ein Schritt in die richtige Richtung« seien, die »angebotene Finanzierung jedoch nicht ausreiche, um den damit verbundenen Arbeitsaufwand zu decken«.

Mehr von Avoxa