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Schluss mit Morphin-Mythos

Datum 24.07.2000  00:00 Uhr

- Pharmazie Govi-Verlag

Schluss mit Morphin-Mythos

von Christiane Berg, Hamburg

Pro Jahr sterben in Deutschland 220.000 Menschen an den Folgen einer Krebserkrankung. Etwa 150.000 leiden abhängig von Tumorstadium und Metastasenbildung an zum Teil unerträglichen Schmerzen und doch erhält nur jeder fünfzigste eine ausreichende Schmerztherapie mit Morphin-Präparaten.

"Schluss mit dem Morphin-Mythos" forderte auf einer Pressekonferenz am 11. Juli 2000 in Hamburg Professor Dr. Eberhard Klaschik, Bonn. Obwohl wissenschaftlich bewiesen, dass eine kunstgerechte Opiodtherapie keine Sucht herbeiführt, verhindere der bei Ärzten, Patienten und Angehörigen bestehende Irrglaube die ausreichende Behandlung von Schmerzen selbst bei Patienten im Terminalstadium, kritisierte er.

Palliativmedizin stärken

Klaschik erinnerte an die grundlegenden Prinzipien einer modernen Schmerztherapie, zu der laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die perorale Gabe eines Analgetikums nach einem festen Zeitplan und der stufenweise Einsatz von Schmerzmitteln zunehmender Wirkstärke gemäß Schmerzintensität gehört.

Er hob hervor, dass in den nächsten zehn bis 15 Jahren weltweit mit einem Anstieg der Krebsinzidenz um 30 bis 40 Prozent zu rechnen ist. Trotz intensiver Forschungsbemühungen sei es bislang nicht gelungen, die Heilungsaussichten global zu verbessern. Diese Situation zwinge zum Nachdenken über neue Konzepte und Strategien der Kurativ- und Palliativmedizin mit ihrem wichtigsten Pfeiler, der Schmerztherapie, so der Referent. Er beklagte "mangelndes Wissen um die Möglichkeiten der Schmerztherapie, Desinteresse und große Lücken in der Betreuung schwerkranker und sterbender Menschen".

Zweithäufigste Todesursache

Den derzeitigen Stand der Palliativmedizin in Deutschland nannte Klaschik "kümmerlich, miserabel und extrem schlecht". Mit sechs Palliativbetten pro 1 Million Einwohner (der Bedarf wird auf 50 geschätzt) sowie nur 21 ambulanten, zum Großteil von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragenen Palliativdiensten, die den von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) definierten Kriterien entsprechen, sei in Deutschland eine absolute Unterversorgung zu registrieren. Mit 25 Prozent ist Krebs die zweithäufigste Todesursache in der Bundesrepublik. Top

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