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Studie
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PFAS bei vielen Medikamenten verzichtbar

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen gelten als problematische »Ewigkeitschemikalien«. Forschende haben nun 111 pharmazeutische Wirkstoffe untersucht, die zu den PFAS zählen, und sehen für alle Möglichkeiten, auf Alternativen umzusteigen.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 04.06.2026  16:20 Uhr

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) haben laut Umweltbundesamt besorgniserregende Eigenschaften und können Effekte auf Stoffwechsel, Hormonhaushalt, Fortpflanzung, und Immunsystem haben. Manche dieser künstlich hergestellten, langlebigen und sehr stabilen Chemikalien stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Aufgrund dieser Eigenschaften werden PFAS in vielen Bereichen eingesetzt, unter anderem in Arzneimitteln, Medizin- oder Alltagsprodukten.

»Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) geben aufgrund ihrer inhärenten Persistenz und der größtenteils unbekannten Langzeitfolgen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt Anlass zur Sorge«, schreibt das Team um Erstautorin Johanna Greinke, Promovierende am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Freiburg, und die korrespondierenden Autoren Professor Michael Müller (Uni Freiburg) und Gunther Speichert (Umweltbundesamt) in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Studie »Per- and polyfluorinated active pharmaceutical ingredients: Overview and alternatives«, die im Fachmagazin »Sustainable Chemistry and Pharmacy« erschienen ist.

Neue Gefahrenbewertung gefordert

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten wissen, ob PFAS in Medikamenten wirklich unverzichtbar sind, oder ob sie aus Umwelt- und Gesundheitssicht bereits heute weitgehend ersetzt werden könnten. Dafür untersuchten sie 111 pharmazeutische Wirkstoffe (API) zur Nutzung am Menschen, die gemäß der aktuellen OECD-Definition als PFAS gelten, also eine –CF3 oder –CF2-Gruppe haben. 70 davon sind in Deutschland auf dem Markt.

84 Prozent sind potenzielle Vorläuferstoffe für Trifluoressigsäure beziehungsweise Trifluoracetat (TFA). Darüber hinaus wurden 28 PFAS-Wirkstoffe identifiziert, die als Tierarzneimittel eingesetzt werden und von denen 82 Prozent im Laufe der Zeit TFA freisetzen könnten, erläutern die Studienautoren.

Die gefundenen PFAS-Arzneistoffe verteilen sich über viele Indikationsgebiete. Für die Mehrheit der PFAS-Wirkstoffe stünden jedoch bereits verfügbare Alternativen ohne Polyfluorierung zur Verfügung, so die Wissenschaftler. Statt Celecoxib kann Etoricoxib eingesetzt werden, statt Gemcitabin Cytarabin.

»Für jene neun Wirkstoffe in der Humanmedizin, für die dies noch nicht der Fall ist, befinden sich derzeit neue, nicht polyfluorierte Arzneimittel in der Entwicklung«, erklärten sie. Dazu zählen Ersatzstoffe für Ivosidenib, Selinexor, Leflunomid sowie Lumacaftor und zwei weitere Vertreter der CFTR-Korrektoren. »Entgegen der weitverbreiteten Annahme, polyfluorierte Wirkstoffe seien unverzichtbar, zeigen wir auf, dass für keinen der 111 PFAS-Wirkstoffe gänzlich nicht fluorierte Alternativen fehlen.«

Folglich müssten pharmazeutische Wirkstoffe, genau wie alle anderen Chemikalien, hinsichtlich ihrer Persistenz und ihrer Gefahren für die Umwelt neu bewertet werden, forderte das Forschungsteam. Um eine nachhaltige Pharmazie zu verwirklichen, sei es unerlässlich, dass Umweltrisiken im Zulassungsverfahren nicht nur dokumentiert werden, sondern auch Einfluss auf die Entscheidungsfindung nehmen und bereits bei der Entwicklung neuer Arzneimittel Berücksichtigung finden.

Beschränkungsvorschlag für PFAS auf EU-Ebene

Seit 2023 arbeitet die Europäische Union im Rahmen der REACH-Verordnung an einem umfassenden Beschränkungsvorschlag für PFAS, der sich auf rund 10.000 Einzelstoffe erstreckt und von mehreren Mitgliedstaaten eingebracht wurde. Ziel ist es, die Emissionen und den Einsatz dieser sehr langlebigen Chemikalien deutlich zu reduzieren und damit Umwelt- und Gesundheitsrisiken zu begrenzen.

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) verweist dabei insbesondere auf die hohe Persistenz von PFAS, die zu einer langfristigen Anreicherung in Umwelt und Mensch führt. Gleichzeitig wird auf EU-Ebene diskutiert, bestimmte besonders kritische Anwendungsbereiche, etwa in der Medizin- und Pharmaindustrie, unter Umständen von einer pauschalen Beschränkung auszunehmen, da dort bislang nur eingeschränkt Ersatzstoffe verfügbar sind und die Versorgungssicherheit berücksichtigt werden muss. 

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