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Hamburg
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Paulina für St. Pauli

2018 übernahm Ramona Kottke die Apotheke am Paulinenplatz in Hamburg, 2026 folgt nun ihr Herzensprojekt, das »Paulina Vitalzentrum«. Gemeinsam mit der Kultur- und Communitymanagerin Ana Amil gründete sie ein interdisziplinäres Versorgungszentrum zur ganzheitlichen Gesundheitsfürsorge und nachhaltigen Stadtgesundheit.
AutorKontaktPaulina Kamm
Datum 17.06.2026  18:00 Uhr

Der Bedarf an holistischer Gesundheitsversorgung auf St. Pauli war groß, die Idee und der Plan schnell ausgereift, doch dann der große Schock: Der Bau der bereits gekauften Immobilie, die für das »Paulina Vitalzentrum« vorgesehen gewesen wäre, steht bis heute still. »Ich sitze jetzt seit zwei Jahren und gucke aus meinem Büro auf diese Sandkiste«, erzählt die Gründerin Ramona Kottke mit Blick von ihrer »typischen Kiezapotheke« am Paulinenplatz direkt auf die Baustelle. Einnahmen bleiben aus, das Bankdarlehen läuft.

Erst war der Moorboden auf St. Pauli schuld, dann gab es Statikschwierigkeiten, gefolgt von Problemen am Nachbarhaus; die Apothekerin hätte sich auch mehr Kommunikation und Transparenz seitens des Bauunternehmens gewünscht. »Ich habe in diesen zwei Jahren zwischendurch das Gefühl gehabt, ich sitze auf dem Boden wie so ein lahmer Vogel und warte darauf, gefressen zu werden«, beschreibt die Gründerin.

Inzwischen hat Kottke gemeinsam mit der Stadtteilaktivistin Ana Amil ein interdisziplinäres Team aus 18 Gesundheitsfachkräften aus Osteopathie, Physiotherapie bis hin zur psychoonkologischen Beratung zusammengestellt. »Die Vielfalt, die hier im Viertel gelebt wird, will ich auch mit meinen Angeboten signalisieren«, so Kottke.

Regionale Gesundheitsversorgung interdisziplinär gedacht

Auf diesem Weg entstand die Idee, ein lokales Netzwerk aufzubauen, das neben ärztlichen Praxen auch alle anderen Akteure aus den Bereichen Gesundheit, Fürsorge und Prävention miteinbezieht. Von Patientinnen- und Patientenbildung zu verschiedenen Themen wie Darmgesundheit, Selbstwirksamkeit und Achtsamkeit bis zu Rückbildungs- und Yogakursen – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Fragen aus der Kundschaft haben die thematischen Schwerpunkte gesetzt: »Manchmal fehlt es einfach daran, dass jemand Zugang zu einer Hebamme hat. Kennt ihr eine gute Ernährungsberatung? Wo kann ich denn mal hingehen, wenn ich eine Physiotherapie brauche?«, berichtet Kottke typische Fragen aus der Praxis. Sobald die Empfehlungen des Apothekenpersonals zu weit entfernt sind, nahmen die Betroffenen die Leistungen nicht mehr in Anspruch, so Kottke.

Auch die ärztliche Überlastung habe zur Ideenumsetzung beigetragen: »Die acht Minuten, die sie pro Patient haben, führen nicht dazu, dass man ganzheitlich betrachtet wird.« Sie verstehe ihr Netzwerk als Ergänzung, nicht als Konkurrenz für das ärztliche Personal.

Ein Alternativplan muss her

Das Gebäude sollte inzwischen eigentlich fertiggestellt sein, so Kottke, stattdessen verwirkliche sie ihr Projekt nun außerplanmäßig aus vorerst eigener Kasse in Mieträumen. »Geschäftsräume auf St. Pauli zu suchen, ist ein eigenes Abenteuer …«, erzählt die Gründerin der PZ. Doch sie wurde fündig und kann loslegen – »mit einem Raum und einer kleinen Mannschaft« sei sie gestartet. Ab September soll es mit Workshops und Vorträgen losgehen, da sich die Möglichkeit ergeben hat, im selben Gebäude auch größere Räumlichkeiten anzumieten. Das Gesundheitspersonal kann sich dort via Untervermietung niederlassen.

Das Kassenleistungs- und Selbstzahlenden-Prinzip deckt nach Kottkes Erfahrung die Versorgung der Menschen auf St. Pauli nicht vollständig ab. Deshalb habe sie den gemeinnützigen Verein »Paulinchen« gegründet. »Angedacht sind aber auch Angebote, die über ›Paulinchen‹ finanziert werden sollen, wenn wir mit dem Verein die Gemeinnützigkeit erreicht haben und somit Spenden- und Fördergelder sammeln können«, plant die Apothekerin. Kottkes Ziel ist Niedrigschwelligkeit für alle. Insbesondere Menschen mit niedrigem Einkommen sollen von dem Engagement profitieren.

Pläne für die Zukunft

In die Satzung von »Paulinchen« haben die Mitglieder auch das Thema Forschung eingebracht. Ziel ist es, der Politik ein Positionspapier vorzulegen, so Kottke. Die Apothekerin möchte aber auch Falschinformationen dubioser Health-Coaches in den sozialen Medien begegnen. Zum Thema Medienkonsum und Suchtprävention bei Jugendlichen seien entsprechende Angebote in Planung. »Die langfristige Idee ist natürlich, auch mit Schulen und Firmen zusammenzuarbeiten«, so die Gründerin.

Der Gemeinschafts- und Regionalitätsgedanke spielt für Kottke eine entscheidende Rolle: »Der Großteil der Apotheken ist ja irgendwo in irgendeinem Quartier mit irgendeinem Umfeld, wo man vielleicht mal schauen kann, wie man insgesamt die Gesundheitsversorgung verbessert.«

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