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Notfallreform 
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Patientensteuerung, aber bitte verbindlich

Immer mehr Patienten suchen mit vergleichsweise harmlosen Symptomen die Notaufnahme auf. Die geplante Notfallreform soll daher die Patientensteuerung verbessern. Doch wie kann das am besten gelingen? Darüber wurde am Mittwoch beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin diskutiert. 
AutorKontaktLukas Brockfeld
Datum 25.06.2026  09:30 Uhr

Die jahrelang erarbeitete Notfallreform der Bundesregierung sieht eine stärkere Patientensteuerung vor. Unter anderem durch den Ausbau der 116 117 zur Akutleitstelle, die mit der Notrufnummer 112 vernetzt ist. Außerdem sollen sogenannten Integrierten Notfallzentren (INZ) entstehen, die aus der Notaufnahme eines Krankenhauses, einer KV-Notdienstpraxis und einer zentralen Ersteinschätzungsstelle bestehen. Doch das Gesetz sieht keine Sanktionen für Patienten vor, die sich nicht an die Steuerungsmechanismen halten. Kann die Reform trotzdem zum Gamechanger für die Patientensteuerung werden? Das wurde am Mittwoch beim Hauptstadtkongress diskutiert. 

Für die Debatte waren Johanna Sell (Bundesministerium für Gesundheit), Andreas Gassen (Kassenärztliche Bundesvereinigung), Michael Wünning (Katholisches Marienkrankenhaus Hamburg) und Jürgen Graf (Universitätsmedizin Frankfurt) eingeladen. Die Moderation übernahm Rebecca Beerheide vom Deutschen Ärzteblatt.

Mehr Verbindlichkeit

Andreas Gassen erklärte, warum er die in der Notfallreform vorgesehen Form der Patientensteuerung für ungeeignet hält: »Es wird ein Angebot gemacht, das aber niemand wahrnehmen muss. Wenn wir eine Ersteinschätzung machen, dann kann es nicht sein, dass der Patient ohne Bedarf trotzdem in die Notaufnahme geht und sich die Ärzte dort seinen Fall ansehen müssen.« Er plädiere daher für ein Ersteinschätzungsverfahren mit einer verbindlichen Anlaufstelle und verbindlicher Steuerung. Wer sich diesem Verfahren entziehe, müsse dafür bezahlen. Andernfalls werde die Notfallreform scheitern. 

Johanna Sell bezeichnete die Möglichkeit der Fehlinanspruchnahme als »Grundproblem«. Die Ursache dafür sei, dass die aktuellen Strukturen nicht dem Bedarf entsprechen. »Wenn es nicht möglich ist, in der vertragsärztlichen Versorgung rechtzeitig einen Termin zu bekommen, dann ist die Konsequenz, dass die Patienten sich nicht wahrgenommen fühlen und in die Notaufnahme gehen«, sagte Sell. Wer das sanktionieren wolle, habe ein negatives Menschenbild und traue es den Patienten nicht zu, selbstständig Entscheidungen zu treffen. »Wir müssen Strukturen schaffen, die dafür sorgen, dass eine kluge Entscheidung für alle Menschen möglich wird.«

Zu viele Patienten unnötig im Krankenhaus 

Michael Wünning erklärte, dass es schon heute viele Regeln zur Patientensteuerung gebe, die aber kaum jemand befolge. »Wir haben bei uns in Hamburg ein Zentrum mit 42.000 Patienten und wir versorgen zu zwei Dritteln ambulante Patienten«, klagte der Arzt und forderte ebenfalls Sanktionen für die Patienten. »Ich frage mich, warum ich mit meinem Team jeden Tag Dinge tue, die ich nicht tun muss. Und ich frage mich auch, warum der Gesetzgeber nicht handelt.«

»Es gibt Patienten, die waren noch nie in einer Praxis, die gehen ausschließlich in die Notfallambulanzen«, sagte Andreas Gassen. »In solchen Fällen ist die Triagierung vorher durchzuführen. Es bleibe ein Kernproblem, dass die Praxen nur begrenzt Patienten aufnehmen können. und aktuell sind es immer die schnellsten und lautesten Patienten, die sich die begrenzten Termine sichern.« Daher brauche man verbindliche Steuerungsmechanismen, die sich an der medizinischen Notwendigkeit orientieren.

Doch Verbindlichkeit allein schafft noch keine gute Patientensteuerung. »Es wird dann zum Gamechanger, wenn wir Parallelitäten abbauen und Fixpunkte in der Versorgung schaffen«, sagte Jürgen Graf. Das deutsche Gesundheitssystem müsse dringend effizienter werden. »Es wird weniger geben müssen, als wir heute haben. Das heutige System ist nicht mehr leistbar. Auch wenn die Ansprüche stetig steigen, werden wir uns reduzieren müssen.« 

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