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KBV-Versichertenbefragung

Patienten sehen Videosprechstunden skeptisch

Knapp zwei Drittel der Versicherten in Deutschland lehnen Videosprechstunden für sich selbst ab. Das ergab eine Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).
Christina Müller
16.08.2019
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Hierzulande stehen viele Menschen dem Thema Fernbehandlung offenbar kritisch gegenüber: Laut einer Umfrage möchten 62 Prozent der Versicherten Videosprechstunden lieber nicht nutzen. Häufigster Grund ist demnach der Wunsch nach persönlichem Kontakt zum Arzt (72 Prozent). Im Auftrag der KBV befragte die Forschungsgruppe Wahlen Telefonfeld für die Auswertung von Mitte März bis Ende April mehr als 6100 erwachsene Versicherte.

Diese sollten zudem die Versorgungssituation mit Haus- und Fachärzten einschätzen. Der KBV zufolge ist der Anteil der Menschen, die angaben, nicht genügend Hausärzte in Wohnortnähe zu haben, in den vergangenen zwei Jahren von 22 Prozent auf 27 Prozent gestiegen. Bei den Fachärzten verzeichneten die Meinungsforscher ein Plus von einem Prozentpunkt (43 auf 44 Prozent). »Obwohl die Arztzahlen absolut gesehen steigen, führt dies nicht automatisch zu einer besseren Versorgungssituation«, kommentiert KBV-Vize Stephan Hofmeister die Ergebnisse. Jüngere Ärzte bevorzugten vermehrt Angestelltenverhältnisse und Teilzeitarbeit. »Das hat Auswirkungen auf ihre Verfügbarkeit in der Praxis.«, ergänzt der Mediziner. Es gelte, die Versorgung so zu organisieren, dass die verbleibenden Kräfte und deren Zeit so effizient wie möglich eingesetzt werden.

Was die Wartezeiten auf einen Arzttermin betrifft, ergibt sich nach Einschätzung von KBV-Chef Andreas Gassen eine Diskrepanz zwischen der Realität und der gängigen Meinung, Privatpatienten würden bei der Vergabe stets bevorzugt. »Wenn man sich die Ergebnisse der letzten Jahre anschaut, stellt man fest: Die Unterschiede bei den Wartezeiten auf einen Termin waren bei gesetzlich und privat Versicherten nie so gravierend, wie gerne kolportiert wird«, sagt er. Der Umfrage zufolge mussten 29 Prozent der gesetzlich und 30 Prozent der privat Versicherten bei ihrem letzten Arztbesuch überhaupt keine Wartezeit in Kauf nehmen. Demnach bekam jeder vierte gesetzlich Versicherte innerhalb von einem Tag bis zu einer Woche einen Termin, bei den privat Versicherten war es jeder dritte.

Erstmals fragten die Meinungsforscher die Bürger danach, wie dringend sie selbst ihren letzten Arztbesuch einschätzten. Zwei Drittel stuften diesen laut Analyse als dringend oder sehr dringend ein – unabhängig davon, aus welchem Grund er erfolgte. Auch Anlässe wie eine Vorsorgeuntersuchung oder eine Impfung empfanden 36 Prozent der Befragten noch als eilig oder sehr eilig. »Die gefühlte Dringlichkeit ist in vielen Fällen höher als die tatsächliche – auch wenn das aus medizinischer Sicht nicht angebracht ist«, betont Hofmeister.

 

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