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Gesundheitsinfos im Netz
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Patienten nach ihren Informationsquellen fragen

Social-Media-Influencer gewinnen an Einfluss, auch bei der Verbreitung gesundheitsrelevanter Themen. Ihr Hintergrund reicht von qualifizierten Gesundheitsfachkräften bis hin zu Personen ohne medizinische Ausbildung, und ihre Reichweite erstreckt sich von einigen Tausend Followern bis zu Millionen. Die wachsende Bedeutung von Social-Media-Influencern in gesundheitsbezogenen Informationsräumen beleuchtet aktuell ein Themenschwerpunkt im Wissenschaftsjournal »British Medical Journal (BMJ)«
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 05.12.2025  10:30 Uhr

Faktenchecks und Regeln allein helfen nicht

Schließlich reflektieren Dr. Tina D. Purnat von der Harvard TH Chan School of Public Health in Boston und Professor Dr. David Scales von der Weill Cornell Medicine in New York in einem Editorial zu der Reihe aus gesundheits- und informationssoziologischer Perspektive, dass das Problem weit über einzelne Influencer hinausreiche.

Die Editorialisten stellen heraus, dass Gesundheitskommunikation heute in komplexen Informationsökosystemen stattfindet, die von Plattformarchitekturen, Algorithmik, kommerziellen Anreizen und digitalen Gemeinschaftspraktiken geprägt sind. Diese Umgebungen prägen Wahrnehmung, Vertrauensbildung und Entscheidungsverhalten ebenso wie die klinische Begegnung selbst.

Die Autoren des Editorials kritisieren, dass Fact-Checking oder regulatorische Maßnahmen allein kaum nachhaltige Wirkung entfalten, solange die zugrunde liegenden Logiken der Plattformen unverändert bleiben. Patienten und Ärzte begegnen sich daher häufig in voneinander getrennten Wissenswelten, was die gemeinsame Entscheidungsfindung erschwert.

Das Editorial fordert ein erweitertes Konzept von »Influence Literacy«, das sowohl digitale als auch soziale Kontextkompetenzen einschließt. Zudem werden klinische Handlungsempfehlungen formuliert. Danach sollen Ärzte aktiv nach Online-Informationsquellen ihrer Patientinnen fragen, gemeinsame Bewertung digitaler Inhalte anbieten und die psychologische Dynamik von Communities berücksichtigen.

Abschließend plädieren die Editorialisten für innovative Ansätze wie geprüfte digitale Peer-Foren, digitale Community-Health-Worker sowie eine stärkere Anerkennung des Informationsumfeldes als »soziale Determinante von Gesundheit«.

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