| Daniela Hüttemann |
| 13.03.2026 09:30 Uhr |
Ärzte sollten ihre Rheumapatienten auch zur jährlichen Grippeschutzimpfung beraten. / © Getty Images/Halfpoint Images
»Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für Influenza-Infektionen und deren Komplikationen – bedingt sowohl durch die Grunderkrankung als auch durch immunsuppressive Therapien wie Biologika«, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh). »Grippeinfektionen können zudem Krankheitsschübe auslösen.«
Doch bislang seien Patienten und Ärzte zurückhaltend bei der Grippeimpfung, da belastbare Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit der Influenza-Impfung für diese Patientengruppe fehlten – auch weil sie häufig von Impfstoff-Zulassungsstudien ausgeschlossen seien. Diese Wissenslücke schließt nun eine neue Studie aus Deutschland.
Vor Kurzem wurden die Ergebnisse einer bundesweiten, prospektiven Langzeitstudie mit 633 Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen in der Fachzeitschrift »Vaccines« veröffentlicht. Bewertet wurden die Sicherheit und Verträglichkeit der Influenza-Impfung in der Grippesaison 2023/2024. Die Angaben stammten von den Patienten selbst. Der Frauenanteil lag bei 87,5 Prozent, das Alter zwischen 18 und 84 Jahre (Median 50,4). Alle hatten sich gegen saisonale Grippe impfen lassen. Ein Großteil der Studienteilnehmenden wurde mit immunsuppressiven oder immunmodulierenden Medikamenten behandelt, darunter auch Biologika.
50 Prozent der Geimpften gaben Schmerzen an der Einstichstelle an, während 41 Prozent mitteilten, keine Nebenwirkung erfahren zu haben. Bei 5 Prozent der Geimpften kam es zu einem rheumatischen Schub. Therapeutische Anpassungen waren dabei jedoch äußerst selten notwendig.
Für 428 Patienten lag ein Follow-up vor. Davon erkrankten 38 Personen an Grippe (8,3 Prozent). Zu schweren Grippefällen kam es nicht. Auffällig war, dass etwa die Hälfte der Grippepatienten unter Spondyloarthritis litt. Wer in den zwölf Monaten vor der Impfung bereits einen Rheumaschub gehabt hatte, wies ein höheres Risiko für eine Grippeinfektion auf. Alter, Begleiterkrankungen oder die Art der Rheumatherapie spielten dagegen keine entscheidende Rolle. »Das ist kein Argument gegen die Impfung – im Gegenteil«, betont Privatdozentin Dr. Rebecca Hasseli-Fräbel, unter deren Leitung die Studie durchgeführt wurde.
»Unsere Ergebnisse zeigen sehr deutlich: Die Influenza-Impfung verschlechtert den Krankheitsverlauf bei der großen Mehrheit der Betroffenen nicht – im Gegenteil, sie schützt wirksam vor schweren Influenza-Verläufen«, so die Rheumatologin. »Gerade Patientinnen und Patienten mit instabiler entzündlich-rheumatischer Erkrankung sollten gezielt beraten und besonders geschützt werden, da sie ein höheres Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen der Infektion haben können.«
Offenbar hatten jedoch viele der Studienteilnehmenden keine Informationen zur Grippeimpfung direkt von einer Ärztin oder einem Arzt erhalten. Mehr als 90 Prozent gaben an, sich auch künftig gegen Influenza impfen lassen zu wollen.