Viele HNO-Ärzte raten daher pauschal von Wattestäbchen im Ohr ab. Auf jeden Fall sollte man vorsichtig sein, es nicht zu tief einführen und es bei der Benutzung etwas drehen und zwirbeln. / © Getty Images/fizkes
Ohrenschmalz (Cerumen) hat eine physiologische Funktion. »Was wir sehen, ist meistens eine Mischung aus dem Sekret, das Ceruminaldrüsen produzieren, und aus Hautschuppen«, erklärt HNO-Arzt Dr. Bernhard Junge-Hülsing. »Und wie auf einem Fließband wird es von innen nach außen transportiert, wenn die Haut wächst.«
Im Grunde sei Ohrenschmalz »wie eine pflegende Salbe, die der Körper selbst produziert«, vergleicht der HNO-Arzt Professor Dr. Thomas Deitmer. Zudem hat das Schmalz auch eine antibakterielle Wirkung. »Er ist also nicht irgendetwas Schmutziges«, sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie.
Wenn sich dieses Schmalz anhäuft, kann es allerdings zu einer vermehrten Ansiedlung von Bakterien kommen, vor allem bei einem feuchtwarmen Klima im Ohr. Dann kann eine schmerzhafte Gehörgangsentzündung die Folge sein.
Viele Menschen haben das Bedürfnis, Ohrenschmalz zu beseitigen. Wer allerdings zum Wattestäbchen greift, erreicht möglicherweise das Gegenteil und schiebt das Schmalz tiefer ins Ohr. Schlimmstenfalls bildet sich mit der Zeit ein Pfropfen, der irgendwann den Gehörgang verschließt. Viele HNO-Ärzte raten daher pauschal von Wattestäbchen im Ohr ab.
Bernhard Junge-Hülsing sieht das differenzierter: »Wenn man das nach dem Duschen zwei- oder dreimal in der Woche macht und vorsichtig rangeht, ist es in Ordnung.« Auch Thomas Deitmer findet, dass man Wattestäbchen im Eingang des Gehörganges verwenden kann – wenn man es richtig tut. Das heißt: Nicht tief ins Ohr drücken, sondern vorsichtig vorgehen und das Wattestäbchen bei der Benutzung etwas drehen und zwirbeln. »Dann rotiert es ein bisschen und man schiebt das Ohrenschmalz nicht nach hinten, sondern wischt es aus dem Eingang heraus.«
In zwei Fällen raten die HNO-Ärzte aber klar von Wattestäbchen ab:
Wie kann man denn die Ohren reinigen, wenn man das Bedürfnis danach hat? »Eigentlich muss man gar nichts machen«, sagt Thomas Deitmer. Was man jedoch tun kann, vorausgesetzt, das Trommelfell ist intakt: den Duschkopf wie einen Telefonhörer halten und warmes Wasser ins Ohr laufen lassen. »Natürlich nicht volle Pulle wie bei einem Hochdruckreiniger.«
Wichtig ist, dass man das Wasser danach auch wieder aus dem Ohr herausbekommt. Auch hier gilt also: hüpfen oder Kopf schütteln.
Sprays sollen dabei helfen, das Ohrenschmalz besser zu lösen. Thomas Deitmer hält sie für überflüssig. »Die können auch nichts anderes, als dass sie Flüssigkeit in den Gehörgang pusten und das Ohrenschmalz aufweichen, damit man ihn manchmal besser ausspülen kann.« Nur, wenn das Schmalz so fest sitzt, dass es selbst von einem HNO-Arzt nur schwer zu entfernen ist, würden manchmal erweichende Tropfen benutzt, um die Reinigung zu erleichtern.
Einig sind sich beide Experten auch bei sogenannten Ohrenkerzen, die zu Reinigungszwecken in die Ohren gesteckt und angezündet werden. »Davor raten wir als Verband definitiv ab«, sagt Bernhard Junge-Hülsing. Zum einen sei die Wirkung dieser Kerzen zweifelhaft. Zum anderen sei die Gefahr groß, dass heißes Wachs in die Ohren gelange.
Schmerzen, Juckreiz, Austritt von Flüssigkeit, Hörstörungen, Schwindel: Diese Ohr-Beschwerden sollten einen in die HNO-Praxis führen. Oder wie Bernhard Junge-Hülsing es auf den Punkt bringt: »Wenn's juckt, wenn's läuft oder wenn's stinkt.«
Auch wenn das Ohr verstopft ist und das Wasser nicht mehr abläuft, sollte sich der Profi das Ohr einmal anschauen.
»Kann man machen, muss man aber nicht«, sagt Thomas Deitmer. Schwimm-Ohrstöpsel seien allerdings dann sinnvoll, wenn einem das Wasser im Ohr unangenehm ist, man ein empfindliches Trommelfell hat oder zu Gehörgangsentzündungen neigt. »Die entstehen oft dann, wenn es im Ohr zu feucht ist.«
Gut zu wissen, wenn man eine solche Entzündung als Souvenir aus dem Badeurlaub mitbringt: »Nicht das vermeintlich dreckige Wasser hat dann daran Schuld, sondern dass man sich einfach viele Stunden darin aufgehalten hat und das Ohr zu lange zu feucht bleibt«, so der HNO-Arzt. Hier gilt zur Vorbeugung: Mit dem gerollten Ende eines Papiertaschentuches das Ohr nach dem Baden etwas trocken tupfen oder etwas hüpfen.