| Annette Rößler |
| 19.06.2026 16:20 Uhr |
Testet man im Abstand von mehreren Jahren mehrmals auf eine allergische Sensibilisierung, kann es sein, dass das Ergebnis jeweils unterschiedlich ausfällt. / © Adobe Stock/Alexander Raths
Bei einer allergischen Sensibilisierung entwickelt ein Mensch allergenspezifische IgE-Antikörper gegen ein eigentlich harmloses Protein aus der Umwelt. Häufig folgt daraus eine allergische Reaktion, wenn der Betroffene mit dem Allergen erneut in Kontakt kommt. Diagnostisch nachgewiesen werden kann eine allergische Sensibilisierung per Haut-Pricktest oder über die Messung von allergenspezifischen IgE im Blutserum.
Häufig werde davon ausgegangen, dass eine einmal erworbene allergische Sensibilisierung ein Leben lang bestehen bleibt, schreibt ein Team um Dr. Charmaine J. M. Lim vom Ludwig Boltzmann Institut für Lungengesundheit in Wien im Fachjournal »Clinical and Translational Allergy«. Allerdings gebe es Hinweise darauf, dass dies nicht zwangsläufig der Fall ist. Die Forschenden untersuchten daher nun anhand der populationsbasierten Beobachtungsstudie LEAD (Lung, hEart, sociAl, body), ob und wie sich diese Eigenschaft im Zeitverlauf verändert.
Eingeschlossen waren 5046 LEAD-Teilnehmende aus ganz Österreich, die zu Beginn zwischen 6 und 82 Jahre alt waren. Ausgewertet wurden die Ergebnisse von drei Haut-Pricktests pro Teilnehmendem, die im Abstand von durchschnittlich 4,25 Jahren gemacht worden waren. Die Forschenden untersuchten, wie sich die Sensibilisierung gegen diverse Allergene veränderte und ob ein Zusammenhang mit demografischen, metabolischen, Verhaltens-, Umwelt- sowie immunologischen Faktoren erkennbar war.
Die Mehrheit der Teilnehmenden (54,4 Prozent) war nicht sensibilisiert und blieb so während der gesamten Studiendauer; 30,6 Prozent waren und blieben stabil sensibilisiert. Bei 15 Prozent der Teilnehmenden änderte sich der Status im Verlauf: Eine zunächst vorhandene Sensibilisierung verschwand bei 5,6 Prozent, eine neu entwickelte Sensibilisierung trat bei 4,8 Prozent auf und bei 4,6 Prozent fluktuierte der Status (sensibilisiert +/–/+ beziehungsweise –/+/–).
Erwartungsgemäß waren jüngere Studienteilnehmende im Alter unter 18 Jahren am häufigsten von einer neu aufgetretenden allergischen Sensibilisierung betroffen. Fluktuationen waren im Alter zwischen 18 und 60 Jahren am häufigsten, während es bei Teilnehmenden über 60 Jahren am häufigsten vorkam, dass eine Sensibilisierung verschwand.
Eine stabile Sensibilisierung richtete sich am häufigsten gegen saisonale Allergene wie Gräserpollen, wogegen eine Sensibilisierung gegen Frühblüher häufig bei jüngeren Teilnehmenden vorlag, aber mit steigendem Alter verschwand. Am variablesten waren Sensibilisierungen gegen Ambrosia und Spitzwegerich; sie waren die Haupt-Treiber für Fluktuationen. Eine Sensibilisierung gegen Hausstaubmilben nahm mit steigendem Alter tendenziell ab, während eine Sensibilisierung gegen Schimmelpilze selten, aber stabil war. Eine Reaktion auf Katzenhaare kam bei jungen Erwachsenen zunehmend häufig vor und eine Reaktion auf Hundehaare verschwand bei älteren Menschen meist wieder.
Zu den Faktoren, die das Risiko einer stabilen Sensibilisierung erhöhten, zählten eine Allergie bei einem Elternteil sowie hohe Eosinophilen-Zahlen im Blut. Dagegen war das Risiko einer stabilen Sensibiliserung bei Raucherinnen und Rauchern leicht reduziert. Interessanterweise schien sich eine niedriggradige Adipositas schützend auszuwirken – im Widerspruch zu Studienergebnissen, wonach Adipositas das Risiko für Asthma und Allergien erhöht. Als potenzielle Erklärung hierfür führen die Autoren an, dass viszerales Fett als Treiber einer Th1/Th17-Inflammation möglicherweise Th2-vermittelte allergische Reaktionen unterdrückt.
Häufiger als bislang angenommen änderten sich allergische Sensibilisierungen im Lauf des Lebens, fassen die Forschenden zusammen. Dies unterstreiche, dass Patienten mit Allergien langfristig gemonitort werden sollten. Aus dem Verständnis der Muster, nach denen allergische Sensibilisierungen variieren, könnten womöglich Ansätze abgeleitet werden, um die Entstehung von allergischen Erkrankungen zu vermeiden.