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Wer schneidet besser ab?

Ofatumumab versus Teriflunomid bei Multipler Sklerose

An Therapieoptionen zur Behandlung der Multiplen Sklerose mangelt es nicht. Das ist prinzipiell positiv, erschwert aber die Entscheidung für die Wahl eines Wirkstoffs, zumal Therapieeffekte erst stark verzögert erkennbar sind. Aktuell wurden nun zwei Wirkstoffe in zwei klinischen Studien miteinander verglichen, die auf unterschiedlichen Wirkprinzipien beruhen.
Theo Dingermann
19.08.2020  11:00 Uhr

In einer Arbeit, die kürzlich im »New England Journal of Medicine« erschienen ist, vergleichen Wissenschaftler um Stephen L. Hauser die relativen Wirkungen zweier Arzneistoffe, die zur Therapie von Patienten mit Multipler Sklerose eingesetzt werden. Sie basieren auf unterschiedlichen Wirkprinzipien.

Ofatumumab ist ein subkutan zu applizierender monoklonaler Anti-CD20-Antikörper, der eine selektive Verarmung von B-Zellen induziert. Ofatumumab ist dabei ein alter Bekannter. Unter dem Präparatenamen Arzerra® war der Antikörper bis 2019 auf dem europäischen Markt. Dieses Medikament wurde bei der chronisch lymphatischen Leukämie eingesetzt und intravenös verabreicht. Nun hat Novartis für das Medikament unter anderem Namen und als subkutane Formulierung als MS-Medikament die Zulassung in der EU beantragt. Teriflunomid (Aubagio®) hingegen ist bereits im Markt und ein oral verfügbarer Inhibitor der Pyrimidinsynthese, der die Aktivität von B- und T-Zellen hemmt. Beide Wirkstoffe sind zweifelsfrei wirksam.

Ob einer der beiden Wirkstoffe dem anderen überlegen ist, war bislang nicht bekannt. Diese Frage kann nun auf der Basis zweier doppelblinder Phase-III-Studien (ASCLEPIOS I und ASCLEPIOS II) beantwortet werden. 946 Patienten erhielten bis zu 30 Monate lang entweder Ofatumumab (20 mg alle vier Wochen nach 20-mg-Belastungsdosen an den Tagen 1, 7 und 14) oder Teriflunomid (14 mg täglich). Der primäre Endpunkt war die annualisierte Rezidivrate. Sekundäre Endpunkte waren unter anderem der Verlauf der Behinderung oder die Anzahl der Gadolinium-aufnehmender Läsionen.

Nach einer medianen Nachverfolgungszeit von 1,6 Jahren betrugen die Rückfallraten bezogen auf ein Jahr in der einen Studie unter Ofatumumab 0,11 und unter Teriflunomid 0,22. In der anderen Studie waren es 0,10 gegenüber 0,25. Die Unterschiede waren jeweils statistisch signifikant. Der Anteil der Patienten, deren Behinderung sich nach drei Monaten verschlechtert hatte, betrug bei den Patienten unter Ofatumumab-Therapie 10,9 Prozent. Bei Patienten, die Teriflunomid erhalten hatten, lag dieser Anteil bei 15,0 Prozent. Ähnlich war das Ergebnis nach sechs Monaten mit einem Verhältnis von 8,1 zu 12,0 Prozent. Eine Verbesserung ihrer Behinderung zeigten nach sechs Monaten 11 Prozent der Patienten unter Ofatumumab und 8,1 Prozent unter Teriflunomid.

Auch bei den sekundären Endpunkten zeigten sich bessere Ergebnisse den Patienten, die Ofatumumab erhalten hatten, als bei denen mit Teriflunomid. Nur bei der Größe des Hirnvolumens waren keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen erkennbar.

Die Studie lässt also insgesamt eine gewisse Überlegenheit einer B-Zell-Depletion mit Hilfe eines Anti-CD20-Antikörpers gegenüber einer Hemmung der Aktivität von B- und T-Zellen durch Blockierung der Pyrimidinsynthese erkennen.

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