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Apotheken-Spitzenämter
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Nur knapp ein Viertel mit Frauen besetzt

Acht von 34 Spitzenpositionen in den ABDA-Mitgliedsorganisationen sind mit Frauen besetzt. Das ist mager und spiegelt die Geschlechterverhältnisse in den Apotheken nicht im Geringsten wider. Woran das liegt und wie es besser ginge, berichten ABDA-Spitzenfrauen.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 08.03.2024  12:30 Uhr

Vorreiterinnen ziehen andere Frauen nach

Sie habe die Erfahrung gemacht, »dass Frauen andere Frauen ›nachziehen‹, indem sie vorleben, ermutigen und unterstützen«, so Rüdinger am heutigen Internationalen Frauentag zur PZ. »Das wird, aber natürlich ist noch viel Luft nach oben.«

Sie wünsche sich, dass mehr Kolleginnen Spitzenpositionen bei der ABDA besetzen. Die Herausforderungen, vor der das Gesundheitswesen allgemein und die Apothekerschaft im Speziellen stünden, könnten mit mehr weiblicher Perspektive in den Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen besser bewältigt werden, so Rüdinger. »Ich persönlich kann jede Kollegin nur ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und sich einzumischen. Wir Frauen können das und wir sollten uns das auch mehr trauen.«

Erst Kinder, dann berufspolitisches Engagement

Die Gründe für die wenigen Frauen in Spitzenpositionen der Standesvertretung mögen heutzutage die gleichen sein wie seit Jahrzehnten, so Berlins Kammerpräsidentin Kerstin Kemmritz zur PZ. »Frauen haben mit der Mehrfachbelastung von Beruf und Familie schon mehr als genug zu tun.«  Ein standespolitisches Ehrenamt sei dann oft erst in späteren Jahren möglich. Bis dahin gelte es zudem, »die eine oder andere ›Glasdecke‹ zu durchbrechen und mit dem einen oder anderen Vorurteil aufzuräumen«.

Dies könne allerdings nur gelingen, wenn die Frauen flexibel und gut organisiert seien und über ein stabiles Netzwerk verfügten. »Ich persönlich habe zudem das Glück, dass mir mein Mann, wo immer es geht, den Rücken frei hält«, so Kemmritz. Zwar habe sie sich ab und zu die Frage gefallen lassen müssen, wie sie es als Frau mit zwei Kindern hinbekommen wolle. »Aber am Ende hat es immer geklappt.« Wo ein Wille sei, finde sich Unterstützung. Kemmritz zeigte sich zuversichtlich, dass es »irgendwann nicht mehr besonders sein wird, ob eine Frau oder ein Mann an der Spitze einer Organisation steht«.

Overwiening: Arbeitsverteilung wird sich anpassen

Auch ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening sieht die ungleiche Rollenverteilung als eine Ursache an. »Noch immer ist es bei vielen Paaren so, dass die Kinderbetreuung und -erziehung oft Sache der Frauen ist. Mütter arbeiten deshalb deutlich häufiger in Teilzeit als Väter, und wenn das Kind krank ist, bleibt oft die Mutter zuhause.«

Es gebe viel mehr alleinerziehende Mütter als Väter. In Paaren blieben unentgeltliche Arbeiten wie Hausarbeit oder Care-Arbeit oft an den Frauen hängen. »Daher haben viele Apothekerinnen schlicht weniger Zeit, oft zu wenig, um sich in der Berufspolitik zu engagieren.« Das sei bedauerlich – »aber ich bin zuversichtlich, dass sich die Arbeitsverteilung zwischen den Geschlechtern in den kommenden Jahren weiter angleichen wird«.

»In den Apotheken vor Ort sieht man, welch hervorragende Arbeit Frauen in allen Positionen leisten: Hochqualifiziert – ganz gleich ob PTA, PKA oder Apothekerin – stellen sie gemeinsam mit den männlichen Kollegen die Arzneimittelversorgung der Patientinnen und Patientinnen sicher«, so Overwiening weiter. In der Mehrheit seien es Frauen, die die Arzneimittel abgeben, beraten und das Backoffice organisieren. »Die Axt an die Apotheke vor Ort zu legen, wie es die Politik gerade versucht, bedeutet auch, die Axt an viele Tausend hochqualifizierte Frauen-Arbeitsplätze zu legen.«

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