Für die erste, zunächst im Süden nachgewiesene Variante (SHAV-EU1) gibt es inzwischen Nachweise bei Rindern, Schafen, Ziegen, Pferden und einem Alpaka. Die zweite Variante (SHAV-EU2) wurde bislang nur bei Rindern nachgewiesen. Infektionen weiterer Wiederkäuer und Säugetiere sind laut FLI aber denkbar.
Übertragen wird das Shamonda-Virus von Gnitzen. Das sind sehr kleine Stechmücken. Beer hält es für möglich, dass das Virus in Gnitzen etwa per Luftfracht nach Europa gekommen ist. Damit es dann zur Verbreitung kommt, müsse die Gnitze nicht nur etwa ein Rind finden. Auch das Wetter spiele eine Rolle. Hohe Temperaturen begünstigten die Vermehrung des Virus in den Gnitzen.
»Wir hatten, glaube ich, dieses Jahr für so einen Eintrag noch eine Sonderbedingung. Das waren diese extrem hohen Sommertemperaturen. Das ist etwas, was diese Viren sehr schätzen«, sagte Beer.
Anders als das Schmallenberg-Virus und auch neu für das Shamonda-Virus ist laut Beer, dass es Nachweise bei Pferden gibt und auch Todesfälle. »In Deutschland gibt es nach jetzigem Stand drei Pferde, die verstorben sind.« Bei den Tieren seien Gehirnentzündungen und in den Gehirnen hohe Viruslasten festgestellt worden. Auch in der Schweiz seien neurologische Schädigungen durch die erste europäische Shamonda-Variante bei Pferden beobachtet worden.
Es brauche weitere Daten, um besser einschätzen zu können, wie häufig derartige Fälle sind. Das FLI arbeitet an Antikörpertests, um generell die Verbreitung des Virus besser erfassen zu können.
Eine Infektion führt bei den betroffenen Tieren laut Beer zu einer sehr guten Immunität. Der Hauptschaden werde daher jetzt gesetzt. Nachfolgende Wellen fielen erwartungsgemäß deutlich schwächer aus oder seien kaum noch nachweisbar. »Diese Viren verschwinden aber nie wieder ganz«, so Beer. Die Tiere hätten nur eine begrenzte Lebenszeit, und mit ihrem Tod verschwindet auch die aufgebaute Herdenimmunität. Beim Schmallenberg-Virus komme es daher alle drei bis vier Jahre zu einer neuen Welle.