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Diskussion beim WLAT
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Noweda-Chef will Milliarden bei den Kassen einsparen

Das aktuell geplante Lieferengpass-Gesetz können Apotheken nicht akzeptieren. Darin waren sich Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) sowie der ABDA, und Michael P. Kuck, Vorstandsvorsitzender der Noweda, beim 9. Westfälisch-Lippischen Apothekertag einig. Kuck forderte, dass man bei den Einsparungen im GKV-System künftig auch die Krankenkassen selbst in die Pflicht nehme – und beispielsweise deren Ausgaben für Werbung kürze.
AutorKontaktJuliane Brüggen
Datum 19.03.2023  13:00 Uhr
Lieferengpass-Gesetz: »Simulation einer Problemlösung«

Lieferengpass-Gesetz: »Simulation einer Problemlösung«

Kuck bezeichnete das geplante Gesetz als »Simulation einer Problemlösung« und die BfArM-Liste als »völlig untauglich«, um das Engpassmanagement in Apotheken daran zu knüpfen. Man brauche sich nur die Defektliste des pharmazeutischen Großhandels angucken. In den Top-20-Engpässen der Noweda fänden sich gängige Präparate wie Cholesterin- und Blutdrucksenker, Magen- und Schmerzmittel. »Das Problem ist riesengroß«, so Kuck. Auch die Mitarbeitenden des Großhandels seien durch die Lieferengpässe stark belastet. Teils seien es offene Nachfragen für 560.000 Packungen Fiebersäfte gewesen und zahlreiche verzweifelte Apotheker am Telefon. »Das ist ein Alptraum für alle«.

Von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbachs (SPD) Bekenntnissen, die Apotheken zu stärken und mehr einzubinden, sei wenig übriggeblieben, resümierte Overwiening. Die ABDA halte an ihren Forderungen fest: Es brauche dringend Entbürokratisierung, mehr Entscheidungskompetenzen, ein Verbot der Null-Retaxationen aufgrund von Formfehlern und ein dynamisiertes Fixum. Wenn die Politik es ernst meine, müsse die Apotheke vor Ort immer mitgedacht werden, auch wenn es beispielsweise um Vorhaltepauschalen für Krankenhäuser geht.

Auf die Frage, was Apotheken tun können, sagte Overwiening: »Haben Sie Selbstvertrauen. Das, was Sie machen, ist großartig. Wir sind diejenigen, die vor Ort den sozialen Frieden erhalten, wenn etwas nicht geliefert werden kann. Das lösen wir zu 99 Prozent. Bleiben Sie dabei.« Die Grundhaltung der Apotheken sei genau richtig für die Versorgung der Patienten und der Zuspruch aus der Bevölkerung immens. Kuck appellierte an die Apotheken, bei den Maßnahmen, die von den Standesorganisationen vorgeschlagen werden, mitzumachen und zusammenzuhalten. »Streiken Sie, gehen Sie auf die Straße.« Es gehe nicht zuletzt darum, die Apotheke vor Ort flächendeckend zu erhalten.

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