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Welt-Polio-Tag

Noch ist die Kinderlähmung nicht besiegt

Trotz weltweit gesunkener Fallzahlen von Kinderlähmung halten Experten die Gefahr neuer Polio-Infektionen in Deutschland nicht für gebannt. »Das Risiko einer Wiedereinschleppung ist vorhanden«, sagte Kathrin Keeren vom Robert Koch-Institut in Berlin (RKI) der Nachrichtenagentur dpa vor dem Welt-Polio-Tag am 24. Oktober.
dpa
19.10.2018  09:30 Uhr

Gründe dafür sieht die Leiterin der Geschäftsstelle der Nationalen Kommission für die Polioeradikation in Deutschland in sinkenden Impfquoten bei Kindern sowie in der Migration aus Ländern mit Polio-Vorkommen. »Wir müssen darauf achten, dass wir die Impfzahlen so hoch wie möglich halten können«, betonte Keeren. Die Impfquote bei der Schuleingangsuntersuchung lag 2016 nach den aktuellsten RKI-Daten bei 93,9 Prozent. »Wir sehen das schon mit Sorge«, sagte Keeren, »weiter nach unten sollte es wirklich nicht gehen, wir sollten eher wieder besser werden«.

Zuvor habe der Wert jahrelang bei um die 95 Prozent gelegen. Diese Schwelle erachtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für nötig, damit die Bevölkerung gegen ein Wiedereinschleppen des Virus gewappnet ist. Im Bundesland mit der niedrigsten Quote, Baden-Württemberg, sind aber zum Beispiel nur noch neun von zehn Kindern gegen Polio geimpft (90,6 Prozent).

Hermann Josef Kahl, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, sagte, er sehe bei Polio keine bröckelnde Impfbereitschaft. »Die Impfung ist eine Selbstverständlichkeit heutzutage.« Lediglich in Einzelfällen müsse man Eltern die unheilbaren Folgen der Krankheit wie bleibende Lähmungen in Erinnerung rufen. Generell sei die Einstellung zur Polio-Impfung aber »ganz anders als bei Masern«, sagt Kahl.

Schon ein einzelner Fall gilt als Polio-Ausbruch

Die WHO warnt indes: Solange ein einzelnes Kind infiziert ist, bestehe für Kinder weltweit die Gefahr einer Ansteckung. Bislang gab es laut Global Polio Eradication Initiative in diesem Jahr rund 19 Neuinfektionen bis Mitte Oktober, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es nur 11. Am stärksten betroffen ist Afghanistan mit 15 Fällen – mehr als doppelt so viele wie im Vergleichszeitraum 2017. Pakistan hingegen scheint auf gutem Weg: Nach mehr als 300 Neuinfektionen 2014 waren es bisher in diesem Jahr nur vier. Dort gibt es großangelegte Aktionen, bei denen binnen kurzer Zeit Millionen Kinder geimpft werden.

Auch wenn die Zahlen insgesamt niedrig klingen: »Bei Polio haben wir die Problematik, dass nur sehr wenig Fälle klinisch relevant sind. Das heißt, auf 200 Infizierte kommt in etwa nur ein Erkrankter«, erläutert Keeren. Deshalb gelte schon die Entdeckung eines Falles als Ausbruch, weil man davon ausgehen müsse, dass es bis zu 200 weitere Infizierte gibt. Diese scheiden das Virus aus und können andere anstecken.

Am RKI laufen pro Jahr 2000 bis 3000 Untersuchungen, um das Auftreten neuer Fälle hierzulande auszuschließen. »In den vergangenen Jahren war in Deutschland kein Poliovirus nachweisbar«, bilanziert Keeren. Laut WHO wurde eine in Deutschland erworbene Ansteckung mit Wildpolioviren wurde zuletzt 1990 erfasst, 1992 waren letztmalig importierte Fälle hierzulande bekannt geworden.

Foto: Fotolia/Rod Curtis

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