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Vorwurf der WHO 
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Nikotinbeutel sollen gezielt Jugendliche ansprechen

Milliardenumsätze mit Nikotinbeuteln: Sie schmecken oft süß, enthalten aber ein Nervengift. Warum die WHO vor dem neuen Trend warnt und wie Konzerne junge Leute mit Lifestyle-Versprechen ködern.
AutorKontaktdpa
Datum 15.05.2026  15:00 Uhr

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einem wachsenden Trend bei jungen Menschen: sogenannten Nikotinbeuteln, die zwischen Oberlippe und Zahnfleisch platziert werden. Die Produkte machen abhängig und können schwere gesundheitliche Folgen haben. Zugleich kritisiert die WHO gezielte Marketingstrategien der Industrie.

Laut WHO versuchen Herstellende, eine neue Generation nikotinabhängiger Konsumentinnen und Konsumenten zu gewinnen. Während der klassische Zigarettenverkauf zurückgeht, erweitern große Tabakkonzerne ihr Angebot um Produkte wie E-Zigaretten und Nikotinbeutel.

WHO: 2024 wurden 23 Milliarden Einheiten verkauft

Der weltweite Verkauf von Nikotinbeuteln lag 2024 laut WHO bei mehr als 23 Milliarden Einheiten – ein Anstieg von über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz erreichte demnach rund sieben Milliarden US-Dollar. Größter Markt sind die Vereinigte Staaten mit etwa 80 Prozent Anteil. Auch in Deutschland und Schweden seien die Produkte populär. In Deutschland ist ihr Verkauf allerdings verboten; erhältlich sind sie dennoch über den Schwarzmarkt oder Online-Bestellungen.

Die Anbietenden werben häufig mit einem angeblichen »Nikotin-Rausch«, der angenehme Gefühle auslösen solle. Tatsächlich handelt es sich bei Nikotin um ein Nervengift aus der Tabakpflanze, das inzwischen auch synthetisch hergestellt werden kann. Über die Mundschleimhaut gelangt es direkt in den Körper.

Nach Angaben der Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen erhöht Nikotin unter anderem das Risiko für Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen, kann Tumorbildung fördern und steht zudem im Verdacht, Diabetes zu begünstigen.

Forderung nach Regulierung und Aufklärung 

Besonders kritisch sieht die WHO die Vermarktung der Produkte als Lifestyle-Artikel. Über soziale Medien würden gezielt Jugendliche angesprochen. Geschmacksrichtungen wie Gummibärchen oder Lakritz verstärkten den Reiz zusätzlich. Die Beutel würden oft als Möglichkeit dargestellt, heimlich Regeln zu brechen – etwa in der Schule oder vor den Eltern.

Auch Behauptungen, Nikotinbeutel könnten beim Rauchstopp helfen, weist die WHO zurück. Häufig führe der Konsum stattdessen dazu, dass Menschen insgesamt mehr Nikotin aufnehmen, weil sie die Beutel dort nutzen, wo Rauchen verboten ist, und zusätzlich weiter rauchen.

Die WHO fordert deshalb strengere Regulierung sowie mehr Aufklärung von Kindern und Jugendlichen über die Gesundheitsrisiken.

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