Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Krebs
-
Niedrigere Sterblichkeit durch Vitamin D

Lange war unklar, ob die Supplementation von Vitamin D vor Krebs schützen oder krebsbedingte Todesfälle verhindern kann. Nun zeigen mehrere Metaanalysen: Zur Vorbeugung von Krebs bringt eine Vitamin-D-Gabe nichts, die Sterblichkeit an Krebs kann sie aber senken.
AutorKontaktLaura Rudolph
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 17.01.2022  07:00 Uhr

Nahrungsmittel statt Supplemente

Angesichts der so belegten Vorteile einer erhöhten Vitamin-D-Zufuhr mit Blick auf die Krebssterblichkeit untersuchten Forscherinnen und Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zuletzt die Frage, ob mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel eine Alternative zur Supplementierung darstellen könnten. Solche Lebensmittel, beispielsweise Milch und Joghurt, Orangensaft oder Frühstücksflocken mit einer Extraportion Vitamin D seien in Kanada, Schweden, Finnland oder Australien längst Alltag in jedem Supermarkt, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des DKFZ. Staatliche Programme regelten in diesen Ländern, welche Lebensmittel mit welcher Vitamindosis angereichert werden.

Laut einer Modellrechnung, die die Gruppe um Dr. Tobias Niedermaier im Fachjournal »Nutrients« veröffentlichte, lässt sich der 25-Hydroxy-Vitamin-D-Blutspiegel mit angereicherten Lebensmitteln um etwa 10 bis 42 nmol/l erhöhen (DOI: 10.3390/nu13113986). Damit schneidet der Verzehr solcher Lebensmittel nicht schlechter ab als die Supplementation, die mit 820 bis 2000 I.E. pro Tag eine Erhöhung des Blutwerts um circa 15 bis 30 nmol/l erreicht. Im Durchschnitt erzielte die Lebensmittelanreicherung Werte, die einer Einnahme von 400 I.E. Vitamin D pro Tag entsprechen.

Vitamin D (mit-) zu essen statt zu schlucken oder zu spritzen, hätte aus Sicht der Autoren nicht nur praktische Vorteile, sondern auch finanzielle. Laut ihren Berechnungen ließen sich damit etwa 95 Prozent der Kosten einsparen, die nötig wären, um die Bevölkerung ab 50 Jahren in Deutschland täglich mit einem Vitamin-D-Präparat zu versorgen. »Im Vergleich zu den eingesparten Krebsbehandlungskosten wären die Kosten vernachlässigbar gering. Und wir würden weitaus größere Kreise erreichen, etwa Menschen mit einem geringeren Gesundheitsbewusstsein, die häufig besonders niedrige Vitamin-D-Spiegel haben«, führt Niedermaier aus.

Daher plädieren die Forscherinnen und Forscher des DKFZ dafür, die protektiven Effekte von mit Vitamin D angereicherten Lebensmittel in weiteren Studien zu untersuchen.

Mehr von Avoxa