| Daniela Hüttemann |
| 25.02.2026 16:20 Uhr |
Im Verlauf einer Magersucht reagiert der Hypothalamus kaum noch auf Hungersignale aus dem Magen-Darm-Trakt. Deshalb schaffen die Betroffenen es, trotz gefährlicher Mangelernährung kaum noch etwas zu essen. / © Getty Images/ronstik
Magersucht, auch Anorexie genannt, geht weit über eine reine Störung des Essverhaltens hinaus. Das betonte kürzlich Professor Dr. Hans-Christoph Friederich, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und ärztliche Psychotherapie (DGPM) sowie ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Universitätsklinikum Heidelberg, bei einer Pressekonferenz der DGPM. Anorexia nervosa sei keine rein psychische Erkrankung. »Es handelt sich um eine komplexe Erkrankung, bei der Körper und Psyche in ein gefährliches Ungleichgewicht geraten«, so der Experte.
Das Sterberisiko liegt fünfmal so hoch wie bei Gleichaltrigen ohne Anorexie. Zu den medizinischen Warnzeichen eines kritischen Zustands zählen eine Körpertemperatur unter 34,5 Grad Celsius, ein Ruhepuls unter 40 Schlägen pro Minute und ein systolischer Blutdruck unter 80 mmHg. In dieser Phase sind lebenswichtige Funktionen massiv gefährdet. »Wenn der Körper auf Sparflamme läuft, geraten Herz, Kreislauf und Immunsystem an ihre Grenzen. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Versagen und schwere Infektionen steigt deutlich«, warnte Friederich.
Wie gelingt es Magersüchtigen, einen lebenswichtigen Trieb wie Hunger zu unterdrücken? »Lange haben wir das über die Willensstärke der Betroffenen interpretiert«, so Friedrich. »Mittlerweile wissen wir, dass das auch mit dem Hypothalamus zu tun hat.« Der Hypothalamus ist das zentrale Steuerorgan des Zwischenhirns. Er reguliert lebenswichtige Prozesse, darunter Atmung, Kreislauf, Körpertemperatur, Schlaf-Wach-Rhythmus, Sexualverhalten und eben auch die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme.
»Bei längerer Magersucht wird der Hypothalamus taub für Hunger- und Sättigungssignale. Deshalb haben die Betroffenen keinen Antrieb mehr zu essen«, erklärte Friedrich. »Der Körper meldet zwar Energiemangel, doch das Gehirn „hört“ nicht mehr richtig zu.« Die Stoffwechsellage ändert sich so, dass die Erkrankten das Essverlangen trotz erheblichen Energiemangels unterdrücken können und den Hunger aushalten. »Der Essantrieb ist selbst dann vermindert, wenn das Untergewicht bereits lebensbedrohlich ist«, so Friederich.