| Daniela Hüttemann |
| 15.10.2026 16:00 Uhr |
In den USA ist Rasonque™ bereits seit rund zwei Monaten auf dem Markt. / © Revolution Medicines
Daraxonrasib ist ein multiselektiver RAS(ON)-Inhibitor, der aktive RAS-Proteine hemmt. Er gehört zu einer neuen Wirkstoffklasse, die gegen Mutationen im lange als »undruggable« geltenden RAS-Signalweg gerichtet ist. Daraxonrasib bindet an ein Protein namens Cyclophilin A und bildet so einen Komplex, der sich an RAS-Proteine anlagert und deren Aktivität hemmt.
Das KRAS-Onkogen spielt eine entscheidende Rolle bei der Proliferation solider Tumoren – auch beim Bauchspeicheldrüsenkrebs. Solche Pankreaskarzinome werden häufig erst spät entdeckt. Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt dann nur noch rund sechs Monate.
Die 5-Jahres-Überlebensrate in Deutschland liegt aktuell nur bei 6,4 Prozent für Männer und 7,6 Prozent bei Frauen. Da die Erkrankung meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt wird, kommt für viele Patienten dann nur eine palliative Therapie infrage. Dementsprechend groß ist der Bedarf an besseren Therapiemöglichkeiten.
Eine Heilung wird wohl auch Daraxonrasib nicht ermöglichen. In einer Phase-III-Studie mit 500 vorbehandelten Patienten, deren Tumor bereits gestreut hatte und größtenteils eine RAS-G12-Mutation trug, verdoppelte sich aber immerhin die Überlebenszeit von 6,6 Monaten mit alleiniger Chemotherapie auf 13,2 Monate unter Monotherapie mit dem neuen Arzneistoff. Die Ende Mai dieses Jahres veröffentlichten Ergebnisse sorgten für großes Interesse sowohl in der Fachwelt als auch in den Medien.
Im Juli kündigte die Europäische Arzneimittelagentur EMA ein beschleunigtes Zulassungsverfahren an. Jetzt hat ihr Ausschuss für Humanarzneimittel eine Zulassungsempfehlung ausgesprochen. Indiziert ist Daraxonrasib demnach bei Patienten mit metastasiertem Pankreaskarzinom, die mindestens eine Vorbehandlung hinter sich haben.
»Patienten mit metastasiertem Pankreasadenokarzinom, deren Erkrankung sich nach einer vorangegangenen Behandlung verschlimmert hat, verfügen nur über begrenzte Behandlungsmöglichkeiten und haben eine schlechte Prognose«, heißt es in einer Pressemitteilung der EMA. »Angesichts der Schwere der Erkrankung sowie der begrenzten Wirksamkeit und der erheblichen Toxizität der Standard-Chemotherapie besteht ein Bedarf an besseren Behandlungsmöglichkeiten für diese Patienten.«
Rasonque™ soll als Filmtablette in den Stärken 100 mg und 150 mg auf den Markt kommen. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Durchfall, Hautausschlag, Stomatitis, Übelkeit und Erbrechen.
Die EU-Kommission muss der Empfehlung noch zustimmen. Erst dann kann der Hersteller Revolution Medicines das neue Arzneimittel in den EU-Ländern auf den Markt bringen. Meist kommt der Entscheid etwa zwei Monate später, manchmal aber auch schon eher. In den USA wurde das Medikament unter dem Namen Rasonque™ bereits Ende August zugelassen. Daraxonrasib hat den Orphan-Drug-Status.
»Für Patientinnen und Patienten mit schweren Erkrankungen ist entscheidend, dass medizinische Innovationen möglichst schnell verfügbar werden. Rasonque zeigt, dass wir im europäischen Zulassungssystem in der Lage sind, bei hohem medizinischem Bedarf Verfahren deutlich zu beschleunigen, ohne Abstriche bei der wissenschaftlichen Bewertung zu machen«, kommentiert Professor Dr. Karl Broich, Präsident des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
Die deutsche Behörde hatte zusammen mit Schweden die federführende Rolle bei der wissenschaftlichen Bewertung. Im beschleunigten Zulassungsverfahren wurden die eingereichten Daten als »Phased Review« schrittweise, sobald sie vorlagen, geprüft und nicht wie sonst üblich dann, wenn alle Daten gesammelt für einen vollständigen Zulassungsantrag eingereicht werden. »So konnte die eigentliche Bewertungszeit deutlich verkürzt werden, ohne die Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit abzusenken«, heißt es vonseiten des BfArM. Broich: »Unser Anspruch ist es, Innovation zu ermöglichen und dazu beizutragen, dass wissenschaftlicher Fortschritt möglichst rasch bei den Patientinnen und Patienten ankommt.«