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Debit-Kreditkarten
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Neuer Zahlungstrend verursacht höhere Kosten in Apotheken

Viele Banken geben ihren Kunden derzeit Debitkarten von Visa und Mastercard aus. Für die Kunden hat das Vorteile, doch für die Händler fallen dadurch höhere Gebühren an. Die PZ hat sich umgehört, warum Debitkarten immer beliebter werden und was das für Apotheken bedeutet.
AutorKontaktAnne Orth
Datum 21.02.2023  13:00 Uhr

Kehrseite der Medaille sind deutlich höhere Gebühren

Doch welche Entgelte fallen im Handel und damit auch in Apotheken an, wenn Kunden verstärkt mit Debitkarten von Visa oder Mastercard zahlen? Dazu wollten sich die befragten Kreditinstitute beziehungsweise deren Verbände nicht äußern, sondern verwiesen auf unterschiedliche Konditionen je nach Anbieter. Denn hier liegt die Kehrseite der neuen Debitkarten. »Für die Händler hat die verstärkte Zahlung mit diesen Karten höhere Gebühren zur Folge«, sagt Guido Michels von der Treuhand Hannover. Das betreffe auch Apotheken. Während die Gebühren bei Zahlung mit einer EC-Karte zwischen 0,2 bis 0,3 Prozent vom Umsatz der Transaktion betragen, liegen sie bei Einsatz einer Debitkarte von Visa oder Mastercard meist zwischen 0,7 und 1,0 Prozent vom Umsatz der Transaktion, schätzt Michels.

Für die Händler bedeutet dies also zwei bis drei Mal so hohe Kosten. Verhandlungsmöglichkeiten für Apothekerinnen und Apotheker sieht der Treuhand-Experte nicht. Sie hätten lediglich die Möglichkeit, sich von verschiedenen Banken Angebote einzuholen.

In Apotheken fallen die höheren Gebühren besonders ins Gewicht, wenn Patienten mit den Debit-Kreditkarten hochpreisige Arzneimittel auf Privatrezept bezahlen wollen. Begleicht eine Patientin oder ein Patient beispielsweise die Kosten für ein verschreibungspflichtiges Chemotherapeutikum im Wert von 15000 Euro mit einer Debit-Kreditkarte, muss die Apotheke dafür Gebühren zwischen rund 104 und 150 Euro an das Kreditinstitut oder den Zahlungsdienstleister abführen.

Bei Hochpreisern Kontakt zur Kasse aufnehmen

Wegen der höheren Gebühren lehnen bislang viele Apotheker Zahlungen per Kreditkarte ab. Sie verweisen dann meist auf die Möglichkeit, per EC-Karte zu zahlen. Falls Patienten dies nicht möchten, riskieren Inhaber bei einer Ablehnung der Kreditkarte oder Debit-Kreditkarte allerdings, dass die Kunden verärgert sind und sich eine neue Apotheke suchen. Doch gibt es auch eine Möglichkeit, die Höhe der Gebühren in Grenzen zu halten, ohne Kunden zu verprellen? »Apotheker können Patienten bei hohen Beträgen anbieten, eine Rechnung auszustellen«, schlägt Treuhand-Experte Michels vor. Empfehlenswert sei dies allerdings nur bei Kunden, die als vertrauenswürdig bekannt seien, da bei dieser Methode das Risiko eines Zahlungsausfalls hoch sei. Im Gegensatz dazu garantieren die Kreditinstitute bei Zahlung per EC- oder Kreditkarte, dass die Händler ihr Geld erhalten. Michels nennt aber noch eine weitere Möglichkeit, wie Apotheker hohe Gebühren vermeiden und gleichzeitig ihr Risiko minimieren.

Falls es sich bei teuren Medikamenten um ein Folgerezept handelt, könnten Apothekeninhaber Kontakt mit der privaten Krankenversicherung aufnehmen und über eine Abtretungserklärung erreichen, dass die Kasse die Zahlung abwickelt. »Das ist eine elegante Lösung«, so Michels. Allerdings seien die Versicherungen dazu nicht verpflichtet, räumt der Treuhand-Experte ein.

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