| Kerstin A. Gräfe |
| 06.01.2026 07:00 Uhr |
Weitere schwerwiegende Ereignisse wie Thrombozytopenie, Hepatotoxizität oder Nephrotoxizität, die bei anderen Antisense-Oligonukleotiden aufgetreten sind, können auch für Tryngolza derzeit nicht vollständig ausgeschlossen werden. Bei Patienten mit Thrombozytenwerten unter 100.000/mm³ sollte Olezarsen nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden.
Olezarsen wurde bei schwerer Nierenfunktionsstörung oder terminaler Niereninsuffizienz nicht untersucht und darf bei diesen Patienten nur dann angewendet werden, wenn der zu erwartende klinische Nutzen das Risiko überwiegt. Gleiches gilt für Patienten mit mittelgradiger oder schwerer Leberfunktionsstörung.
Aus Vorsichtsgründen sollte Olezarsen während der Schwangerschaft möglichst nicht angewendet werden und Frauen im gebärfähigen Alter müssen unter der Therapie zuverlässige Verhütungsmethoden verwenden. Bei Stillenden muss entschieden werden, ob das Stillen oder die Behandlung mit Olezarsen unterbrochen wird.
Die Zulassung basiert auf der randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie BALANCE an 66 erwachsenen Patienten mit genetisch bestätigtem FCS. Sie erhielten über einen Zeitraum von 53 Wochen randomisiert einmal monatlich subkutan entweder 80 mg Olezarsen, 50 mg Olezarsen oder Placebo. Primärer Endpunkt war die prozentuale Veränderung der Nüchterntriglyzeridwerte von Baseline bis Monat 6, verglichen mit Placebo.
Olezarsen reduzierte in der 80-mg-Dosis signifikant die Triglyzeridwerte (−44 Prozent), nicht jedoch in der 50-mg-Dosis (−22,4 Prozent). Die Wirkung hielt bis Monat 12 an (−59 Prozent). Zudem konnte ein Rückgang des Nüchtern-ApoC-III-Werts beobachtet werden: Die placebokorrigierte prozentuale Veränderung gegenüber Baseline betrug −74 beziehungsweise −81 Prozent in den Monaten 6 und 12. Unter Olezarsen trat ein Fall akuter Pankreatitis auf, unter Placebo elf Ereignisse bei sieben Patienten.
Tryngolza ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern. Das Präparat kann in der Originalverpackung außerhalb des Kühlschranks (bei bis zu 30 °C) bis zu sechs Wochen lang aufbewahrt werden.
Olezarsen kann derzeit als Schrittinnovation gesehen werden. Denn im Jahr 2019 kam mit Volanesorsen bereits ein Wirkstoff mit identischem Wirkprinzip für dieselbe Erkrankung auf den deutschen Markt. Gewisse Fortschritte bietet Olezarsen aber: Während Volanesorsen nur bei Patienten mit familiärem Chylomikronämie-Syndrom (FCS) infrage kommt, bei denen ein hohes Risiko für Pankreatitis vorliegt und die auf eine Diät und eine triglyzeridsenkende Therapie unzureichend angesprochen haben, darf Olezarsen grundsätzlich bei Erwachsenen mit FCS ergänzend zu einer Diät zum Einsatz kommen. Hinzu kommt, dass Olezarsen nur einmal pro Monat, Volanesorsen dagegen wöchentlich beziehungsweise zweiwöchentlich subkutan injiziert wird.
Auch das Thema Thrombozytopenie ist zu nennen. In der Fachinformation des Volanesorsen-haltigen Präparats Waylivra® gibt es dazu einen speziellen Warnhinweis; demnach handelt es sich um eine sehr häufige Nebenwirkung. Unter Olezarsen ist das offensichtlich kein Thema. In der Fachinformation von Tryngolza® wird lediglich darauf hingewiesen, dass schwerwiegende Risiken wie Thrombozytopenie, Hepatotoxizität oder Nierentoxizität allgemein bei Antisense-Oligonukleotiden möglich sind und »nicht vollständig ausgeschlossen« werden können. Möglicherweise bietet Olezarsen also auch hinsichtlich des Sicherheitspotenzials gegenüber Volanesorsen einen Vorteil.
Sven Siebenand, Chefredakteur