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Rote-Hand-Brief

Neue Euthyrox-Formulierung bald erhältlich

Merck Serono hat die Stabilität seines Schilddrüsen-Präparats Euthyrox verbessert. Die neue Formulierung soll ab Mitte April oder Anfang Mai in Deutschland auf den Markt kommen. Apotheker sollen die Patienten auf die Änderung hinweisen. Während der Umstellung sollen die Patienten enger überwacht werden, rät der Hersteller in einem Rote-Hand-Brief.
Daniela Hüttemann
10.04.2019
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Bei der Neuformulierung der Euthyrox-Präparate ändert sich nichts an der Dosierung des enthaltenen Levothyroxin-Natriums. Zur Kenntlichmachung wird das Design der Packung und der Blister geändert (siehe Bild); Kontaktinformationen werden auf die Faltschachtel gedruckt. Der Name »Euthyrox« wird dagegen unverändert beibehalten.

Merck Serono hat den Hilfsstoff Lactose durch Mannitol und Citronensäure ersetzt. Das hat nicht nur einen Vorteil für Patienten mit Lactose-Intoleranz. Die neue Zusammensetzung soll eine bessere Stabilität über den gesamten Haltbarkeitszeitraum des Arzneimittels gewährleisten. Damit kommt der Hersteller einer Forderung der französischen Arzneimittelbehörde ANSM jetzt auch in Deutschland und anderen EU-Ländern nach.

Die Spezifikation wurde von 90 bis 110 Prozent auf 95 bis 105 Prozent eingeschränkt. Das bedeutet beispielsweise für eine 150-µg-Tablette, dass diese am Ende ihrer Haltbarkeit der neuen Spezifikation zufolge noch mindestens 142,5 µg Wirkstoff enthalten muss statt wie bislang mindestens 135 µg. 

Grundsätzlich wird das Präparat also sicherer; schließlich hat Levothyroxin bekanntlich ein enges therapeutisches Fenster. Merck konnte jedoch bereits 2016 in einer Bioäquivalenz-Studie nachweisen, dass es keine wesentlichen Unterschiede zwischen der alten und der neuen Formulierung gibt. Die Bioäquivalenz lag innerhalb der eng gesteckten Grenzen von 90 bis 111 Prozent. Normalerweise liegen die regulatorisch üblicherweise akzeptierten Grenzen für die Prüfung auf Bioäquivalenz mit 80 bis 125 Prozent deutlich weiter. 

Bei der Umstellung kann es jedoch zu Problemen kommen, wie die Einführung Mitte 2017 in Frankreich gezeigt hat. Dort kam es zu einem extremen Anstieg der Spontanberichte zu diesem Präparat. Patienten klagten über Schilddrüsen-assoziierte Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel und Haarausfall. Mehr als 4000 Betroffene hatten gegen Merck auf Schadenersatz geklagt. Vermutlich spielte hier aber wohl vor allem ein durch die mediale Berichterstattung getriggerter Nocebo-Effekt eine Rolle, mutmaßen die Ärzte  Professor Dr. Helmut Schatz (Bochum) und Dr. Sven Diederich (Berlin) in einem Kommentar in der aktuellen Ausgabe von »Arzneiverordnung in der Praxis«, herausgegeben von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Um eine Wiederholung in Deutschland zu vermeiden, setzen der Hersteller und die Behörden jetzt auf eine breite Vorabinformation. »Neben den bekannten Risiken bei Umstellung von Schilddrüsenpräparaten birgt die neue Formulierung keine darüber hinausgehende Risiken«, betont auch die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). 

Schilddrüsenwerte nach 6-8 Wochen kontrollieren

Der Hersteller rät in einem Rote-Hand-Brief, bei den Patienten während der Umstellung auf die neue Formulierung die Schilddrüsenfunktion engmaschig überwachen zu lassen. Dies gelte im Besonderen für sensible Patientengruppen wie Patienten mit Schilddrüsenkrebs oder kardiovaskulären Erkrankungen sowie für Schwangere, Kinder und ältere Menschen. Dazu sollten sechs bis acht Wochen nach der Umstellung klinische Symptome erfasst und der TSH-Wert bestimmt werden. Die Bestimmung von freiem T4 sei unter bestimmten Umständen gerechtfertigt, die im Rote-Hand-Brief nicht näher ausgeführt werden. Gegebenenfalls soll der Arzt die individuelle Tagesdosis des Patienten entsprechend dem klinischen Ansprechen und den Laborwerten anpassen.

Merck Serono bittet alle Apotheker, die Patienten bei der Abgabe der neuen Formulierung auf die Änderung der Hilfsstoffzusammensetzung und das geänderte Packungsdesign hinzuweisen. Sie sollen die Patienten dazu anhalten, die Schilddrüsentabletten wie bislang verordnet einzunehmen. Die Patienten sollen darauf hingewiesen werden, mit ihrem Arzt Rücksprache bezüglich der Kontrollen zu halten. Zudem sollten Apotheker die Patienten darüber aufklären, dass sie nicht zur alten Formulierung zurückwechseln, sobald sie mit der Einnahme der neuen Formulierung begonnen haben. 

Die Apotheker sollen den Patienten eine entsprechende Patienteninformation aushändigen, die mit dem Rote-Hand-Brief geschickt wird oder über www.euthyrox-instructions.com oder die AMK-Homepage (passwortgeschützt) abrufbar ist.

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