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Alzheimer-Erkrankung

Muskelhormon verbessert Kognition

Ein bei sportlicher Aktivität vom Muskel ausgeschütteter Botenstoff scheint sich positiv auf die Gehirnfunktion auszuwirken und die Neurodegeneration bei Alzheimer verlangsamen zu können. Das zeigen Untersuchungen mit Modellmäusen, die nun im Fachjournal »Nature Medicine« veröffentlicht wurden.
Christina Hohmann-Jeddi
07.01.2019
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Forscher um Dr. Mychael Lourenco von der Universität in Rio de Janeiro in Brasilien untersuchten, auf welche Art Sport das Gehirn beeinflussen kann. Dabei stellten sie fest, dass in Gehirnen von Alzheimer-Patienten und in denen von Modellmäusen für die Erkrankung niedrigere Level des Muskelhormons Irisin und seines Vorläufermoleküls FNDC5 vorhanden sind als in Gehirnen von Gesunden. Die Produktion des Myokins Irisin wird durch Muskelaktivität ausgelöst. Das Hormon stimuliert unter anderem das Bräunen von Fettgeweben und im Gehirn die Bildung des Brain Derived Neurotropic Factors (BDNF).

Die Forscher konnten an Modellmäusen zeigen, dass das Ausschalten des Gens für Irisin beziehungsweise FNDC5 zu Lern- und Gedächtnisstörungen führt. Andersherum konnte die Steigerung der Irisin- beziehungsweise FNDC5-Mengen im Gehirn die synaptische Plastizität und die Gedächtnisleistung der Tiere verbessern, berichten die Forscher. Wenn sie den Irisin-Signalweg hemmten, gingen die positiven Effekte von körperlicher Aktivität auf das Gehirn verloren.

Weitere Studien sind nötig, um den Mechanismus, mit dem das Myokin den positiven Effekt an das Gehirn vermittelt, genau zu analysieren und zu untersuchen, ob dieser Mechanismus auch beim Menschen eine Rolle spielt. Die Forscher hoffen, mit Irisin ein neues Target für mögliche Alzheimer-Therapien gefunden zu haben.

DOI: 10.1038/s41591-018-0275-4

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