| Theo Dingermann |
| 12.03.2026 16:00 Uhr |
Im Gegensatz dazu zeigte die Supplementierung mit Kakao-Flavanolen in dieser Analyse keinen signifikanten Einfluss auf die untersuchten epigenetischen Alterungsmarker. Dabei hatten frühere Auswertungen der COSMOS-Studie für Kakao-Flavanole (500 mg Kakao-Flavanole pro Tag, darunter 80 mg (−)-Epicatechin) günstige Effekte auf bestimmte kardiovaskuläre Endpunkte nahegelegt.
Die Forschenden interpretieren die Ergebnisse vorsichtig. Zwar liefern sie erstmals randomisierte Evidenz dafür, dass eine einfache Ernährungssupplementierung epigenetische Alterungsmarker beeinflussen kann. Allerdings bleiben zentrale Fragen offen.
Insbesondere ist unklar, ob die beobachteten Veränderungen der DNA-Methylierung tatsächlich mit klinisch relevanten Gesundheitsvorteilen oder einer verlängerten gesunden Lebensspanne korrelieren. Epigenetische Uhren gelten zwar als leistungsfähige Biomarker des biologischen Alterns und können zukünftige Morbidität und Mortalität prognostizieren, doch ihre Veränderbarkeit durch Interventionen und deren klinische Bedeutung werden weiterhin intensiv erforscht.
Der begleitende News-Beitrag im Fachblatt »Nature« hebt hervor, dass das öffentliche Interesse an vermeintlichen Anti-Aging-Strategien enorm ist. Multivitamine gehören weltweit zu den am häufigsten konsumierten Nahrungsergänzungsmitteln, während gleichzeitig globale Daten auf weit verbreitete Mikronährstoffdefizite in der Bevölkerung hinweisen.
Vor diesem Hintergrund könnten selbst moderate Effekte auf biologische Alterungsprozesse potenziell große gesundheitspolitische Relevanz besitzen. Gleichwohl betonen Expertinnen und Experten, dass die aktuellen Ergebnisse noch keinen Beleg für eine lebensverlängernde oder krankheitspräventive Wirkung darstellen.
Insgesamt liefert die Studie einen wichtigen Beitrag zur experimentellen Gerowissenschaft, indem sie zeigt, dass epigenetische Alterungsmarker in klinischen Interventionsstudien messbar beeinflussbar sind. Die Befunde unterstützen die Hypothese, dass Ernährung und Mikronährstoffversorgung molekulare Alterungsprozesse modulieren können.
Ob daraus jedoch konkrete Empfehlungen für die routinemäßige Einnahme von Multivitaminpräparaten abgeleitet werden können, müssen weitere Studien mit längerer Beobachtungsdauer und klinischen Endpunkten klären.
Das räumen auch Li und Kollegen ein, die betonen, dass weitere Studien erforderlich sind, um die klinische Relevanz zu untersuchen und herauszufinden, ob die Effekte von Vitaminpräparaten auf epigenetische Uhren beispielsweise dazu beitragen, das Risiko für altersbedingte chronische Krankheiten zu verringern. Da an der aktuellen Studie nur Testpersonen ohne chronische Krankheiten teilnahmen, lässt sich dies noch nicht beantworten.