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Telemedizin

Mütter sind Power-User

Berufstätige Mütter nutzen zunehmend die Möglichkeit virtueller medizinischer Beratung via Smartphone-App. Das berichtet der US-Wirtschaftsnachrichtensender CNBC. Demnach spielt vor allem Bequemlichkeit eine Rolle.
Jennifer Evans
01.07.2019
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Telemedizin wird insbesondere von berufstätigen Müttern genutzt, wie aus einem CNBC-Bericht hervorgeht. Oft fehle ihnen die Zeit, zu den Sprechzeiten des Arztes in die Praxis zu kommen. Einige US-Anbieter von Telemedizin wie American Well, Teladoc, MDLIVE und Doctor on Demand haben demnach bestätigt, ihr Erfolg gründe sich unter anderem darauf, dass insbesondere Mütter ihre Angebote so stark nutzten. Laut Nachrichtensender sind diese sogar die Schlüssel-Zielgruppe bei der Entwicklung neuer telemedizinischer Anwendungen.

Das kann auch Roy Schoenberg, Vorstandsvorsitzender von American Well bestätigen. Gegenüber CNBC sagte er, dass 60 Prozent der virtuellen Besucher seiner Plattform Frauen sind. Mehr als die Hälfte von diesen sei im Alter zwischen 25 und 44 Jahren. Bei Doctor on Demand sind demnach 65 Prozent der Nutzer weiblich. Teladoc etwa wirbt die jungen Mütter seit 2015 über Facebook an. Heute machten diese 45 Prozent der Besuche aus, heißt es. Verstärkt in der Erkältungszeit machten die Mütter von den digitalen Angebote Gebrauch, weil sie mit ihren kranken Kindern nicht im Wartezimmer des Arztes sitzen wollten, so Schoenberg.

CNBC verweist außerdem auf eine Untersuchung der Kaiser Familiy Foundation aus dem Jahr 2017, die ihre eigenen gesundheitspolitischen Forschungen auch für Politik und Gesundheitsunternehmen bereitstellt. Dort heißt es, Mütter träfen 79 Prozent der Entscheidungen, zu welchem Arzt ihr Kind geht und nähmen dann auch 77 Prozent der Termine wahr.

Eine Zielgruppe, die auch für die Apotheker interessant werden könnte. Schließlich drückt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG) in Sachen Telemedizin aufs Tempo. Er plant, dass digitale Gesundheitsanwendungen demnächst schneller in die Versorgung kommen. Gerade für ländliche Regionen werden telemedizinische Lösung, wie etwa die baden-württembergische Projekte »Gerda« und DocDirekt zeigen, immer bedeutsamer. 

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